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Thermoplastlack ausbessern

  • gefragt am 23 Jan 16:27 von Bolivar

Wenn das richtig gesehen habe, sind alle US-Ami Oldtimer-z.B. 50-60er Jahre -
mit Thermoplastlack!?

Kann bei einem Thermoplastlack ein "Smart-oder Spot-Repair" gemacht werden?
Ich habe einige tiefe, aber ganz schmale, Kratzer welche hässlich aussehen.

Freue mich auf viele Infos.

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Bluenote schrieb am 24 Jan 09:52

Sieht schlecht aus...
Thermoplastlacke haben die Eigenschaft unter Hitzeeinwirkung - z.B. beim Schleifen - sowie unter Einwirkung von Lösemitteln wieder weich zu werden. Folge davon: beim Schleifen ist es fast nicht möglich, beim Ausschleifen der Kratzer vernünftige Übergänge vom Decklack zur darunterliegenden Grundierung herzustellen.
Der Decklack wird einfach abreißen und man behält im Randbereich harte Kanten über. Die Kratzer zuspachteln ist auch keine Lösung, die Spachtelstellen werden sich auf Grund der unterschiedlichen Härten der Materialien wieder abzeichnen.

Die besondere Technik beim Spotrepair ist das nahezu übergangsfreie Ausnebeln des Decklackes. Dies wird erreicht, in dem die letzte Schicht des Decklackes in den Randzonen mit stark verdünntem Material übernebelt wird. Die dafür eingesetzten "Spotblender" sind im Regelfall recht agressive Verdünnungen mit einer langen Verdunstungszeit. Sie sorgen dafür, das die Lacknebel im Randbereich der lackierten Stelle angelöst werden und noch etwas verlaufen.
(Gute Spotrepairer müssen danach fast nicht mehr nachpolieren.)
Dieses Verfahren hat auf Thermoplastlacken allerdings ziemlich verheerende Auswirkungen: die Spotblender werden die Altlackierung stark anlösen und im Extremfall zum Aufreißen bringen. Polierbare Übergangszonen wird es nicht geben, die Reparatur wird sich als häßlicher Fleck sichtbar abzeichnen.
Als Test für die Altlackierung: an versteckter Stelle einen Lappen mit Lösemittel ca. 5min mit der Lackierung in Kontakt bringen. Löst sich der Lack darunter an, ist es mit ziemlicher Sicherheit Thermoplast. (Vorsicht: dieser Test zerstört die Lackoberfläche an der getesteten Stelle!)
Sollte das nicht passieren, ist der Wagen evtl. schon mal lackiert worden und es ist 2K- Lack drauf. Dann ist Spot repair kein Problem.
Ansonsten sollte man ganze Bauteile lackieren lassen und sehen, das man den Wagenfarbton einigermaßen trifft.
- beste Methode: Thermoplastische Altackierung vollständig bis auf das Blech entfernen und neu aufbauen.
- zweitbeste Methode: Schadstellen so gut es geht beseitigen, 2K- Epoxidgrundierung über das gesamte Bauteil auftragen, trocknen lassen und darauf weiterarbeiten. Epoxi ist eine gute Isolation und sperrt den Untergrund ab, so das mit lösemittelhaltigen Materialien weitergearbeitet werden kann. Und zur Zeit sind bis auf Basislacke noch die meisten Beschichtungsmaterialien im Fahrzeuglackierbereich lösemittelhaltig.
Dies alles ist bitte nur als Hinweis und vollkommen ohne Gewähr zu verstehen. Ferndiagnosen sind im Lackierbereich fast unmöglich man kann leider nur ganz selten unter die Lackschichten gucken und Überraschungen lauern an jeder Ecke. Besonders bei alten Autos, die schon dreißig und mehr Dienstjahre hinter sich haben.

MfG

bluenote

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