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Blechgeschichten von jospe

Fahrer jospe
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Wie aus 1:43 ein großer 1:1 wird... 01.02.2009

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...und warum die "Finanzkrise" Liebhaber alter Autos belohnt :-))

Überzeugt bin ich davon, dass in Zeiten, wo man sich als Kind mehr krabbelnd fortbewegt und später dann kleine Modellautos über den Teppich schiebt, der Grundstein für den späteren Autogeschmack gelegt wird. Ohne ins pseudo-wissenschaftliche abzugleiten, will ich dafür auch gleich den Beweis erbringen: Beim Aufräumen des Speichers meiner Mutter fand ich ich einen kleinen Beutel mit Modellautos, mit denen ich rund 40 Jahre vorher die Fasern der heimischen Teppiche malträtierte. Und siehe da: Was mir da im Maßstab 1:43 wieder begegnete, habe ich z.T. nun 1:1 in der Halle stehen.

Jungs und Autos – da war doch früher eine plastische Muß-Verbindung. In den 60ern geboren, spielten wir Auto-Quartett, sammelten Poster oder Plaketten, die unser Vater beim Tanken als Bonus erwarb. Playstation – Fehlanzeige. In Zeiten, in denen Autohersteller noch Menschen als Designer angestellt hatten – 60er bis 80er – bevor der Computer für Gleichheit im Windkanal sorgte, da begeisterten einen doch die Autos noch. Da blickte ich auf dem Schulweg staunend einer Kawasaki Z900 ebenso nach wie einem Jaguar XJ, E-Type oder BMW CSI. Mit der festen Erkenntnis „So was will ich auch irgendwann mal haben“ bekam das Leben doch gleich einen neuen Sinn.

Ein 73er BMW CSI erteilte mir Anfang der 80er sehr schnell die Lektion, dass man zwar relativ fix auch mit kleinem Sparschwein in den Besitz eines schönen Autos kommt, der Unterhalt und Reparaturen aus dem vermeintlichen Schnäppchen aber sehr schnell eine kaum zu erklärende Diskrepanz zwischen Ist-Geld und Soll-Bedarf aufkommen ließ. Auch alles Schönrechnen half da nix.
Mit Ende 20 startete ich damit, mir die in meinen Augen damals noch bezahlbaren Meilensteine der Automobilproduktion zuzulegen. Kaufen, restaurieren oder perfektionieren – freuen. Kam war ein Fahrzeug so, wie ich es mir vorgestellt hatte, sorgte einschlägige Anfix-Literatur oder der Besuch von Autotreffen dafür, dass bereits ein neuer Wunsch enstand. In Kurzform: Auto sehen, Begeisterung, vieles darüber Lesen und anschließend zu dem Schluß kommen: Muß ich haben.
So kamen im Laufe der Zeit viele dazu. Da mich Hubraum, Leistung oder Design faszinieren, habe ich mein Herz auch nie an nur eine Marke verschenkt, sondern habe mich von vielen begeistern lassen und fast nie eins wieder verkauft. Ich beherrsche übrigens die Kunst des „Schönrechnens“, das heißt, ich weiß wie man sich selbst oder der wieder mal ungläubig staunenden Partnerin beim Anschleppen eines neuen automobilen Schatzes das ganze auch so verargumentiert, dass man den ja einfach kaufen musste. Begriffe wie Schnäppchen, phänomenal zu erwartender Wertzuwachs in den nächsten 200 Jahren oder diese unglaubliche Ahnungslosigkeit des Verkäufers, der nicht wusste, was er da hat, sind derart schlagende und beruhigende Argumente, warum das Auto quasi den Besitzer wechseln musste.

Das schönste aber – das wissen wir Infizierten aber glaube ich alle – ist aber die Jagd. Die Jagd nach dem Objekt der Begierde, die in dem Moment eröffnet wird, wenn der Entschluß gefasst wird: „So einen will ich!“

Von der „Gegenseite“ übrigens ein gern benutztes „Argument“, um einem den Spaß an der Sache kaputt zu machen. Die Gegenseite, also der Feind sozusagen, tritt in den unterschiedlichsten Gewändern auf. Freund, Freundin, Ehefrau, Eltern, Kollege – sie alle können es sein, die dir den Spaß mit nur einer einzigen Frage kaputt machen wollen, dich in die Defensive drängen wollen, die dir zeigen, dass Du eigentlich völlig allein auf der Welt bist, ein einsamer Wandelnder zwischen den Jahrzehnten. Diese Menschen fragen doch tatsächlich – beim Schreiben zittern förmlich die Finger – diese Menschen fragen dich hoch motivierten, begeisterten Retter der automobiler Kulturgeschichte doch tatsächlich: „Was willst Du mit so einer Karre?“
Was, bitte schön, soll man auf so eine dumme, unqualifizierte, ja geradezu hasserfüllte Frage diesen ahnungslosen Spaßverderbern antworten? Das sind Menschen, die den wahren Wert des Lebens nicht kennen, ihr Geld lieber in Vergänglichkeiten investieren, statt in wohlriechendes Leder und Öl-Benzingerüche. Kann und soll man diesen unwürdigen Zeitgenossen darauf überhaupt antworten? Nein! Jetzt gilt es, ernsthaft zu überdenken, ob man sich mit den richtigen Menschen in seinem Leben umgeben hat, die Beziehung wirklich noch so ist, wie sie einmal war...

All den Spöttern, Weissagern und Propheten dieser Welt, die mir von Besessenheit bis
Geistesgestörtheit, Dummheit und Unvernunft im Laufe der Jahre bei wachsendem Fahrzeugbestand alles mögliche unterstellt haben, sage ich heute nur einen einzigen Satz:

„Da sind meine Autos – wo sind Eure Aktien“?

Insofern hat die Finanzkrise doch für uns Sammler etwas wunderbares, oder?

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Uli T aus E
Uli T aus E 05.02.2009

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