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Verkehrsberuhigte Zone

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Eingestellt am: 16.06.2008 Zuletzt bearb.: 16.06.2008 Gelesen: 17 Nominierung: Nachricht schreiben
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Ein Besuch im Museum ist total uncool. Erst recht im Sommer! So dachte ich und machte mich auf ins Verkehrszentrum des Deutschen Museums in München, um mir ein eigenes Bild zu machen.

Edmund Rumplers Tropfenwagen, eines der Zugpferde der Autosammlung

Edmund Rumplers Tropfenwagen, eines der Zugpferde der Autosammlung

Zugegeben, dies kann kein objektiver Bericht werden. Schließlich war ich zu meinen Studentenzeiten drei Jahre lang Angestellter des Deutschen Museums und habe den Umbruch mit der Auslagerung des gesamten Landverkehrsbereichs miterlebt.
Man kann sich darüber streiten, ob es gut war, die Zugpferde Eisenbahn und Automobile aus dem Haupthaus herauszunehmen. Auffällig ist, dass die Exponate im neuen Zuhause in den alten Messehallen auf der Schwanthalerhöhe direkt hinter der Bavaria deutlich weniger beengt und teilweise in einem deutlich besseren Lichte erscheinen. Auch hat man sich von der alten Konzeption mit strenger Trennung in Autos, Fahrräder und Eisenbahnen verabschiedet und eben versucht, verschiedene Aspekte des Themas „Verkehr“ herauszuarbeiten. So findet man Themenkomplexe wie „Reisen“, „Rennsport“ und „Stadtverkehr“ genauso wie „neue Technologien“ und „Verkehrsleitsysteme“.
So umfassen die Exponate denn auch Fortbewegungsmittel wie Langlaufschi, Tretautos, Kutschen und eine historische Straßenkehrmaschine. Ampeln, Parkuhren, Verkehrsschilder von anno dazumal und ein Schutzmann fehlen genauso wenig wie alte Zapfsäulen und eine komplette Fahrradreparaturwerkstatt.
Wer die alte Autoabteilung des Deutschen Museums kennt, wird im Verkehrszentrum fast alle alten Bekannten wiederfinden. Der originale Benz-Patent-Motorwagen – nicht mehr komplett hinter Glas wie noch im DM -, der Rumpler Tropfenwagen und der einzige bekannte Auto Union Typ C sind die Zugpferde der stattlichen Autosammlung. Dazu kommen Schätze wie „Anneliese“ (Audi Typ C Alpensieger von 1913), der Protos-Rennwagen von Leutnant Koeppen, mit dem dieser die Fernfahrt New York-Paris absolvierte, ein Mercedes Simplex mit Lawton-Karosserie und eine ganze Reihe weiterer Exponate aus der Frühzeit des Autos. Darunter Benz Vis-à-Vis, Benz Velo, Daimler Riemenwagen, ein Loreley 10 PS, eine Cyklonette oder auch ein Opel Patent-Motorwagen System Lutzmann und ein Baker Electric.
Dazu kommen Meilensteine wie Ford T, Lancia Lambda, NSU Ro80, R4, Citroën DS, DKW Front, und repräsentative Autos wie der Mercedes SS Tourenwagen, ein Horch 853 A Cabriolet und der gigantische Minerva 32 CV AKS mit den wohl hässlichsten Seitenkästen, die ein Coupé je geziert haben. Experimentalfahrzeuge wie das UNI-Car von 1981 und alternative Antriebskonzepte wie Elektrowagen von Slaby-Beringer, Pöhlmann EL und Toyota Prius, Dampfwagen von Mobile und ein Adler Diplomat mit Imbert-Holzgasgenerator runden das Bild ab.
Gerade im Vergleich zum Deutschen Museum sehen die Exponate deutlich gepflegter und sauberer aus, was dem besonderen Engagement des kleinen Teams zu verdanken ist. Dumm nur, dass durch die verbesserte Sauberkeit so einiges an Macken an den Exponaten zum Vorschein kommt. Das Kunstleder am Goliath Pionier ist teilweise in Auflösung begriffen, am AWS Shopper sind deutliche Spuren der Jahre sichtbar, das Mercedes-Taxi W123 T und der R4 sind gar so schlecht, dass nur noch die französische Zustandsbeschreibung „roule toute distance“, zu deutsch: kannste mit dem Besen zusammenkehren, zutreffend erscheint. Den BMW 328 mit Wendler-Aufbau und den SHW-Wagen wird man vergeblich suchen. Bei einem Gespräch mit dem Teamleiter lässt sich auch der Grund für die Unzulänglichkeiten erfahren: das Deutsche Museum ist nach 80 Jahren dringend sanierungsbedürftig und so fließen alle Spendengelder dem Haupthaus zu, um die geschätzten 400 Mio. € Sanierungskosten zu berappen. So hängt das Verkehrszentrum vor allem an den Besucherzahlen, um sich selbst zu finanzieren und auch in Zukunft wieder interessante Sonderausstellungen (zuletzt Formel Vau) präsentieren zu können – die vorerst letzte geplante macht Ende des Jahres den Ford T anlässlich seines 100. Geburtstages zum Thema.
Für den interessierten Technikfreund bietet die Sammlung neben Autos auch eine ganze Reihe interessanter Motorräder, angefangen beim Daimler-Reitwagen, Hildebrand & Wolfmüller, Megola Sport, Germania, FN, Phänomen sowie Hercules Wankel bis hin zu einem offiziellen Nachbau der „Captain America“-Maschine aus dem Film „Easy Rider“. Dazu kommt ein ADAC-Gespann, eine Stehermaschine zum Ziehen von Radrennfahrern und haufenweise Fahrräder aus allen Epochen. Aufgelockert wird das Ganze durch Busse wie den Setra S11 oder einen Opel Blitz mit Auwärter-Aufbau sowie LKWs von Büssing, Ford und MAN. Für Schienenfahrzeugfans gibt’s von der bayerischen S3/6 bis zum Rekordzug ICExperimental einiges zu entdecken. „Puffing Billy“ aus der Frühzeit der Eisenbahn ist genauso mit von der Partie wie diverse S-, U- und Trambahnen, Post- und Reisewagen.
Kurzum, es gibt eigentlich alles, was das Herz höher schlagen lässt, nur eines fehlt dem Verkehrszentrum noch ein bisschen: die Besucher!!! Oft sind es nur ein paar 100, die sich in den großzügigen Hallen fast schon verlieren. Hier also der Aufruf an alle Technikfans, sich ein eigenes Bild zu machen und zahlreich die täglich von 9 bis 17 Uhr offenstehenden Türen einzurennen, gerne auch mit Kindern, für die es genauso viel zu entdecken gibt. Mit 5 Euro Eintritt (ermäßigt 3) ist das Vergnügen absolut preiswert, und die Verkehrsanbindung ist sogar besser als zum Deutschen Museum selbst (U-Bahn-Haltestelle Schwanthalerhöhe, zwei Stationen vom Hauptbahnhof entfernt), der Fußweg von Millionen Oktoberfestbesuchern erprobt. Direkt daneben befindet sich übrigens ein Biergarten, der dann auch den Museumsbesuch zum idealen Sommervergnügen werden lässt...

am 22.06.2008

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