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Treuer Weggefährte

Fahrer 99SR
Eingestellt am: 10.12.2008 Zuletzt bearb.: 18.12.2008 Gelesen: 46 Nominierung: Nachricht schreiben
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Über: Saab 99

Gefangen vom 99er Fieber, kam ich trotz verschiedener anderer Fahrzeuge nicht von dem eigenwilligen Schweden ab:

20 Millisekunden später...

20 Millisekunden später...

Als Azubi kriegte ich einen betagten Saab 99 L Jg. 1974 mit über 200000 Km geschenkt, den ich dann gute 2 Jahre fahren konnte, bis zum nächsten Tüv. Der Motor war nicht kaputt zu kriegen, die Carrosserie eigentlich auch nicht, hätte ich nicht mal bei einer Rallye-Aktion das Heck an einem Baum gerade stellen müssen...
Ich machte mich auf die Suche nach einer Alternative, Manta, Kadett B oder C, BMW 3er usw. Capri nicht vergessen, bis mir wieder ein ätzender 99er ins Auge stach, den ich mir sogleich kaufte. Das Ding wurde etwa ein Jahr alt, bis es mir bei einem unverschuldeten, schweren Frontalcrash als "Rettungskapsel" diente. Mit Prellungen im Brustbereich, von den Sicherheitsgurten, kletterten wir aus dem Auto, that`s it! Beindruckt von der Sicherheit suchte ich sofort nach dem nächsten 99er.
Wenige Tage später kam ein Kumpel mit der Nachricht, ein Ehepaar mit bereits empfangenem Nachwuchs hätte infolge Platzproblemen einen ausgeschrieben, aber ein Turbo.
Innerhalb weniger Tage wechselte der 99 Turbo aus erster Hand, mit rund 45000 km, seinen Besitzer, trotz aller Vernunftsbeschwörungen meines Umfeldes.
Eigentlich ganz flott motorisert, kam der Reiz nach mehr Power und die Schrauberei nahm ihren Anfang. Wassereinspritzung (als Werkszubehör) wurde eingebaut und der Ladedruck auf 1.2 bar getrimmt. Der Bumms beim Einsetzen der Einspritzung bzw. Freigabe des Overboost war faszinierend und so trieb man das Ganze mit 1.5 bar an oder über die Grenzen. Bei einem (früher noch verantwortbaren) Strassenrennen verbrannte es mir dann einen Kolben infolge eines Fehlers in der Anreicherung. Motor raus, aufbohren, neue Kolben und Kopfdichtung inkl. auswuchten der Kurbelwelle, neue Lager etc. Den Motor schon draussen und Getriebe abgetrennt, wurde der gleich auf ein "herumliegendes" 5-Gang Getriebe von einem Saab 900 Aero 16 gesetzt, um den Motor aus dem Drehzahlhimmel herunter zu holen. Der Ladedruck wurde auf ein vernünftiges Mass zurück genommen.
Um dem Rentier mit über 200 PS und 1160 Kg mehr Abtrieb zu geben verpasste ich dem Ding während des Ladedruck exzesses das Airflowkit und im Laufe der Jahre ein Hirsch Fahrwerk. Nach der Motorrevision mangelte es mir zunehmend an Zeit, so dass ich nur noch normale Wartungsarbeiten machte. Die Membrane beim By-Passventil ist eine Schwachstelle, die durch eine elektronische Regelung umgangen wurde. Seit mehreren Jahren noch als 2. oder 3. Wagen hat der Veteran mittlerweile ein ruhigeres Leben.
Als ich vor bald 7 Jahren meine Frau kennenlernte hegte sie Bedenken, ob wir mit dem Monster von A nach B kämen, oder es sich nicht irgenwo selbst zerlegt. Heute hängt sie genauso an dem bis heute sehr zuverlässigen und beinahe rostfreien Fahrzeug, welches mich seit bald 25 Jahren nie im Stich gelassen hat. Heute würde mir meine Frau auf die Finger klopfen, wenn ich das Auto abschieben würde.
Ich kann nur die Worte eines Carsablanca-Mitgliedes zitieren: " Alte Liebe rostet nicht", möge er mir Verzeihen.

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