Home Fahrer & Fahrzeuge Bilder Blechgeschichten Die Geschichte, wie ich meinen 70 Jahre alten Traumwagen in Nordengland fand und auf eigener Achse überführte

Die Geschichte, wie ich meinen 70 Jahre alten Traumwagen in Nordengland fand und auf eigener Achse überführte

Fahrer isbjoern
Eingestellt am: 15.02.2010 Zuletzt bearb.: 15.02.2010 Gelesen: 2 Nominierung: Nachricht schreiben
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Über: Rover

Seit ich vor über 10 Jahren bei einer Radiosendung eine Mitfahrt in einem Talbot TA 105 gewonnen hatte, wurde das Verlangen nach einem Vorkriegsoldtimer immer stärker. Da die hochpreisigen Fahrzeuge vom Schlage eines Hispano-Suiza, Bugatti, Lagonda oder Horch zu groß für meine Garage waren und Austin 7, Citroen Trefle, Fiat Balilla und Adler Trumpf Junior mir in meiner hügeligen mittelhessischen Heimat etwas zu schwachbrüstig erschienen, vertiefte ich mich ins Literaturstudium.Der Anforderungskatalog wies letztlich Punkte wie 6 Zyl. Motor, Leder- und Holzausstattung und gute Ersatzteilverfügbarkeit auf. Schließlich landete ich beim sog. Rover P2, der von 1936-1947 es als 6 Zylinder mit 1900, 2100 und 2500 ccm gebaut wurde.

Auf der Fähre

Auf der Fähre

Ich trat dem Rover Sports Register (GB) bei und nahm mit dem Typreferenten der „Roverfreunde Deutschland“ Kontakt auf. Als zur Jahreswende 2008/2009 der Kurs des englischen Pfundes zum Euro fast 1:1 betrug, forcierte ich die Angelegenheit und ließ in der Mitgliederzeitschrift des Rover Sports Register „Freewheel“ eine Kleinanzeige veröffentlichen, mit der ich ein entsprechendes Fahrzeug suchte. Etwas später buchte ich einen günstigen Flug nach Birmingham und einen Mietwagen für 2 Tage.

Lange erfolgte keine Reaktion auf meine Kleinanzeige und ich war schon kurz davor, Flug und Mietwagen zu stornieren, als dann doch noch ein Anruf kam. Ein Engländer, dessen Sprache meine Oxford-Englisch gewohnten Ohren kaum aufnehmen konnten war am Apparat. Er sagte, daß er in der Nähe der schottischen Grenze zu Hause wäre und einen Rover wie ich Ihn suchte verkaufen wolle. Er betonte, daß er das Fahrzeug bisher noch nicht über andere Kanäle angeboten hätte und er es eigentlich nicht verkaufen wolle. Ich ließ mir als Appetithappen noch Bilder per Email schicken. Nun war der Anfang gemacht und ich konnte mir auch Übernachtungsmöglichkeiten in England suchen. Ich erhielt noch 2 weiter Angebote von Fahrzeugen, die in der Gegend um London standen.

Mitte Juli 2009 setzte ich mich in Flieger und Mietwagen und schaute mir die 3 Fahrzeuge an. In 2 Tagen legte ich ca. 1700km zurück. Wie sich im nachhinein herausstellte war beste Wagen der Rover 14 hp Sports Saloon des ersten Anrufers. Der Rover war 4 Jahre in seinem Besitz und nun wollte sich Stephen eine Ferrari kaufen. Er erzählte mir, dass er seine Fahrzeuge am liebsten poliert und der Rover in den 4 Jahren nur einmal bei Regen gefahren hatte. Leider nieselte es zum Besichtigungstermin ein wenig, und ich wollte Ihn nicht zu einer Probefahrt nötigen. Was den Preis anging, konnte er sich nicht so richtig festlegen.

Der 2.Wagen war ein 1936iger 16 hp Sports Saloon, der allerdings erst zu ca. 80% fertigrestauriert war. Der 3.Wagen schließlich war einer von nur ca. 600 gebauten 20 hp Sports Salloons, der bei der Probefahrt zu Kochen anfing. Auf der Rückfahrt zum Flughafen in Birmingham hatte ich noch Zeit für einen Besuch in British Motor Heritage Center in Gaydon, einem Mekka für anglophile Autoliebhaber.

Wieder zu Hause in Deutschland stieg ich mit Stephen, dem Besitzer des von mir zuerst besichtigten Rovers, in ernsthafte Preisverhandlungen ein; natürlich nur unter der Voraussetzung, dass die nachzuholende Probefahrt für mich zufriedenstellend verlief.

Die Fährgesellschaft bot für Familien einen Kurztrip nach Schottland (3 Tage Übernachtung mit Frühstück) an. Da meine bessere Hälfte schon immer gerne mal dorthin wollte, wurde die ganze Aktion zum Familienausflug. Mit viel Abenteuerlust und einigen Bedenken (hält der Wagen die knapp 500 km durch?)meinerseits fuhren wir mit unseren 8 jährigen Zwillingen im Schlepptau in den Herbstfreien in die Grafschaft Northhumberland. Mit der Fähre von Amsterdam nach Newcastle waren es dann nur noch ca. 70 km zum Standort des Rovers.

Die Probefahrt verlief erfreulich und wir wurden uns auch über den Preis einig.
Nach 3 Nächten in Schottland holten wir den Rover ab. Das zur Bezahlung erforderliche Bargeld hatte mir ein in England lebender Bekannter besorgt; die deutschen Kurzzeitkennzeichen hatte ich mir vom Schildermacher pr. Express ins Hotel schicken lassen. In der Oldtimerzeitschrift der Zeitung mit der vier großen Buchstaben war zu lesen, man müsse nur zu einem englischen Versicherungsvertreter gehen und eine Kurzzeitversicherung kaufen um ein Fahrzeug mit englischer Zulassung auf eigener Achse nach Deutschland zu überführen. Leider ist es mir trotz intensiver Internet-Recherche und Emailverkehr nicht gelungen, eine Versicherung in England abzuschließen. Voraussetzung hierfür ist nämlich, dass man seinen Wohnsitz im Vereinigten Königreich hat. Die erste Etappe zur Fähre wurde nach anfänglichen Eingewöhungsproblemen mit Bravour zurückgelegt. Nach der unruhigen Überfahrt kam die Fähre mit 1-stündiger Verspätung in den Niederlanden an.

Mein Rover hatte vermutlich nach über 70 Jahren das erste Mal die „Insel“ verlassen. Die freundlichen Zöllner bewunderten den Wagen und fragen mich, was ich mit dem Fahrzeug vorhätte. Meine Auskunft war: immer schön polieren und einige Oldtimerveranstaltungen besuchen.

Die Fahrt über die holländischen Autobahnen konnten wir mit um die 85 km/h bei 15 °C und Sonnenschein zurücklegen. Kurz hinter der deutschen Grenze und noch ein weiteres mal mußte ich die Zündkerzen von Ruß befreien, da ich den Rover wohl doch etwas zu zaghaft (ein wenig mehr als Standgas) gefahren bin. Andererseits sind diese Wagen auch nicht für Autobahnen gebaut. Gegen 20:00 Uhr waren wir dann zu Hause.
Da das zweite Fahrzeug auf der Rückfahrt mit der Fähre nur 40 € Aufpreis kostete und die Fahrt relativ problemlos verlief, hat die Aktion nicht nur Spaß gemacht sondern war auch noch viel preiswerter als der Transport durch ein Transportunternehmen. Mittlerweile ist das Fahrzeug in einem kleinen Museum 10 Autominuten von meinem Wohnort entfernt untergebracht. Im kommenden Frühjahr hoffe ich, dass Fahrzeug hier für den Straßenverkehr zugelassen zu bekommen und einige schöne Oldtimerveranstaltungen in der näheren Umgebung besuchen zu können.

Diskussionen


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isbjoern
isbjoern 27.11.2010

@sondyna: Danke für den netten Kommentar. Habe in der vergangenen Saison an 3 Oldtimerfahrten (insges. ca. 650 km) teilgenommen. Bin immer ins Ziel gekommen, die Platzierungen waren nicht so prickelnd. Der olympische Gedanke zählt! Ich bin immer noch von der langen Motorhaube des Rovers fasziniert, die Fahrleistungen entsprechen auch den Erwartungen (Der MGB GT wird spritziger sein!). Auf einer einsamen Landstraße von einer Ariel Square Four (welch ein Sound!) überholt zu werden war keine Schande.

Isbjoern

sondyna
sondyna 27.11.2010

.....................häütte ich nur den Bericht nicht gelesen, in mir regt sich plötzlich ein gewaltiger Hunger nach einem solchen Fahrzeug! Toller Bericht und viel Erfolg mit dem Rover. sondyna

peter pan
peter pan 19.02.2010

Danke für den super-Bericht******sagt wiener-Addy....

nowemo13
nowemo13 19.02.2010

Schöne Geschichte, als Daimler DB 18 Fahrer kann ich den Spaß nachfühlen............

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