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Vom Entdecken der neuen Gemächlichkeit.

Fahrer OppaHardrock
Eingestellt am: 22.12.2007 Zuletzt bearb.: 22.12.2007 Gelesen: 30 Nominierung: Nachricht schreiben
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Dom rechts im radhaus sauber flexen_0877_thumb

 

Über: Opel Rekord

Von Typen denen gute Autos zulaufen welche sie dann verkommen lassen. Und anderen Typen die von einem Como träumen und den kleinen Bruder retten.

Ein damaliger Mitmieter unserer Werkstatt erwarb 1996 diesen Rekord von einem älteren Herren, rund 43.000 gelaufen, Erstlack, unfallfrei, ungeschweißt. Der Typ stellte das Auto in die Werkstatt und vergaß es.
Der Rekord, TÜV und ASU verfielen mit der Zeit, wurde von einer Ecke in die nächste geschoben, so dass er die eine oder andere Blessur bekam. Der Besitzer regte sich zwar über alle Maßen auf, stellte das Auto aber trotzdem nicht so ab, das nichts mehr daran passieren konnte.
Im Gegenteil, wenn er mal in der Werkstatt war, pfuschte er noch ein bisschen daran herum, was den Gesamtzustand noch verschlechterte. Zum Beispiel stattete er die Bremse vorn mit neuen Belegen aus (Billigschrott der ohne Kupferpaste eingesetzt wurde), welche nach einigen Bremsmanövern verglasten und quietschten, so dass einem die Lauscher abfielen. Oder noch so ein Highlight: Er schruppte den über Jahre vernachlässigten Lack mit Rot-Weiß Paste, bekanntlich eine aggressive Schleifpolitur, unterließ es aber, den Lack danach mit Wachs zu versiegeln. Nach einem halben Jahr sah der Rekord noch heruntergekommener als vorher aus.
Mit zunehmendem Unwohlsein registrierten wir (die Werkstattmannschaft, Kerstin und ich) den allmählichen Niedergang, 1999 hat es mir dann gereicht. Nach einer längeren Beratung mit Kerstin (wir wollten eigentlich einen Commodore aus der Zeit haben), kauften wir den Rekord und 4 Teileträger.
Als Erstes haben wir ihn notdürftig sauber gemacht, aufgebockt und eingemottet.
Im Sommer 2001 wurde er gründlich gereinigt und kam dann mit dem Ascona zu Dürkop in den Showroom. Nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Dürkop im August 2004 kam er wieder in die Werkstatt zum Einmotten.
Seit einiger Zeit habe ich die 07er Nummer. Es wurde also Zeit, mir den Rekord mal vorzunehmen. Bis auf Antrieb, Kabelbaum, Front- und Heckscheibe komplett demontiert, wurden die Antidröhnmatten entfernt, sämtliche Roststellen blank geschliffen, mit Fertan versiegelt, grundiert und lackiert. Der Verkaufspfusch der Werkstatt, welche den Rekord 1996 im Auftrag des älteren Herren anbot und der Dilettantismus meines Vorgängers wurde dabei auch gleich beseitigt.
Die Kotflügel und Endspitzen mussten geschweißt, die Kotflügel leider komplett lackiert werden. Danach wurden die Hohlräume der Karosse erst mit Fertan und nach rund 2 Tagen mit Hydrauliköl geflutet. Noch 2 Tage austropfen lassen, dann ging es ans Zusammenbauen. Kerstin übernahm die Reinigung der Teile, die von über 29 Jahren Dreck befreit werden mussten, und ich baute den Krempel dann ein.
Technisch ist die gesamte Bremse neu, der Motor bekam eine große Inspektion (die Letzte bekam er 1978), Kühlwasser- und Ölkreislauf wurden ausgiebig gespült und so von Ablagerungen befreit.
Der Rekord ist nach dieser Kur immer noch original, von dem moderneren Radio (aus den späten 80er) und dem leichten Farbunterschied der Kotflügel zur Karosse einmal abgesehen.

So sah der Rekord während des Aufenthaltes bei Dürkop aus. Billig-Unterbodenschutz an Schürze, Radläufe und Heckblech, verbeulter Kotflügel rechts, verbogene Stoßstange vorn (ebenfalls rechts) und ein nicht sonderlich gepflegter Gesamteindruck.

Teilzerlegt steht der Wagen in meiner Werkstatt und wartet auf die Aufarbeitung. Bis auf den Antrieb, die Front- und Heckscheibe und dem Kabelbaum ist alles ausgebaut, um auf Schäden untersucht und gegebenenfalls repariert zu werden. Dabei haben wir auch gleich alles von rund 29 Jahren Dreck befreit.

Das Blech machte einen guten Eindruck, nur beide Kotflügel waren unten an der A-Säule und beide Endspitzen im Spritzbereich durchgerostet. Ansonsten waren die typischen Stellen angerostet, was in erster Linie auf den billigen Pfuscherunterbodenschutz zurückzuführen war!

Das ist die Ecke an der Schürze vom linken Kotflügel, deutlich ist zu sehen, dass an den Stellen, wo der U-Schutz bereits entfernt ist das Blech am rosten ist. Soll heißen: unter dem U-Schutz ist es munter am gammeln, mit dem unangenehmen Effekt, dass es einem erst auffällt, wenn ein Loch in die Karosserie fällt.

Hier die Stellen, die geschweißt werden mussten:

Kotflügel Beifahrerseite Schwellerspitze – A-Säule,…

…Kotflügel Fahrerseite, gleiche Stelle wie rechts,…

…Endspitze hinten Beifahrerseite,…

…Endspitze hinten Fahrerseite, hier war am meisten Arbeit.

Das Bleche einsetzen, demonstriert anhand des rechten Kotflügels: Vom Rost perforiertes Blech herausgetrennt.

Aus Tafelblechresten gedengeltes Passblech, bereit zum Einschweißen.
Das gammelige Irgendwas ist die herausgetrennte Ecke, welche bei dem Bild oben fehlt.
Auch hier war der Rost von der Werkstatt, welche den Wagen 1996 im Auftrag verkaufte, mit dem schon erwähnten Pfuscher U-Schutz übergematscht worden.

Hier ist das selbst gefertigte Passblech eingeschweißt. Die Naht ist mit der Flex geschliffen und poliert worden, eben so wie die beiden zugepunkteten Minilöcher (siehe Bild oben).

Während die Kotflügel lackiert wurden, ein Karosseriebauer nahm sich noch der Beule in dem Rechten an, haben wir die Antidröhnmatten aus dem Innen- und dem Kofferraum entfernt.

Diese Arbeit ist nötig, weil sich im Laufe der Jahre die Matten zum Teil vom Blech, auf welches sie geklebt sind, lösen. Es bilden sich Hohlräume, in die auf kurz oder lang Wasser eindringt und so für ausgesprochen lästige Rostnester sorgt. Selbige fallen einem erst auf, wenn man durch das Bodenblech tritt oder der Einkauf auf der Straße statt im Kofferraum liegt.

Nachdem das Gekratze mit den Antidröhnmatten erledigt war, widmeten wir uns dem Blankmachen der angerosteten Stellen.
Die da waren: Beide Radhäuser vorn und hinten (Bild zeigt Radhaus und A-Säule vorn Beifahrerseite), A-Säule beide Seiten, Schürze vorn innen, Falz Heckblech unten, Schweller Unterkante auf der ganzen Länge, untere Falz bei beiden Türen.

Nach dem Endrosten wurde das blanke Blech mit einer Versiegelung behandelt, diese musste ca. 24 Stunden einwirken. Danach wurden die behandelten Blechpartien gereinigt, zwei Mal grundiert, mit Karosseriedichtmasse abgedichtet und noch einmal grundiert.

Der Innenraum bekam auch einen Anstrich mit Grundierung.

Nach weiteren 24 Stunden haben meine Gattin und ich auf einem Sonntag bei ca. 30°C im Schatten die ganzen grundierten Flächen mit Opel 445 Diamantgelb gestrichen. Wir mussten alle Bereiche drei Mal überstreichen, weil Gelb sehr schlecht deckt.
Es ist noch zu erwähnen, dass die Farbe nicht leicht zu bekommen war, denn den Farbton gibt es seit den späten 70ern nicht mehr. Deshalb haben die wenigsten Lackanbieter noch das Rezept in ihrer Mischbank.

Nachdem der Lack richtig durchgehärtet war, haben wir die Hohlräume der Karosserie erst mit Fertan (die schon erwähnte Versiegelung) und nach 24 Stunden Austropfzeit mit Hydrauliköl für die nächsten Jahre gegen Rostfrass geschützt

Nach weiteren zwei Tagen austropfen, wurde die Karosse wieder auf die Räder gestellt und für eine Vorreinigung auf den Hof gerollt.

Nun geht es ans Zusammenbauen. Meine Gattin reinigte die Teile und ich baute den Krempel dann ein. Der Lack der Karosserie musste vorher eine intensive Polierung mit einer Maschine über sich ergehen lassen. Hier sind Teppich und hintere Sitzbank mit Seitenverkleidung schon eingebaut. Es war am Abend so gegen 23.30 Uhr und wir waren schon ziemlich erledigt.

Die Instrumente sind auf Funktion geprüft, das Armaturenbrett ist super sauber, zusammen mit der Mittelkonsole ist der Arbeitsplatz des Fahrers bis auf den Sitz wieder komplett. Bei der Gelegenheit ist der Kabelbaum von Vorgänger-Murks befreit und wieder dahingelegt worden wo er hingehört.

Alle Deckel sind drauf, die Türen sind wieder drin, die Innenausstattung ist komplett, die Anhängerkupplung montiert, der Motor läuft und ist eingestellt, fehlen nur noch die Kotflügel, um den „Rekorder“ komplett zu machen.

Nun ist er komplett!
Nach ca. vier Wochen Bauzeit, mit der einen oder anderen Nachtschicht und rund 550,-€ Materialkosten ist der Wagen technisch und optisch in einem guten Zustand.

Jeder Meter, welcher mit diesem Auto gefahren wird, ist ein Genuss. Als letzter Opel mit "amerikanischem" Fahrwerk ist es selbst bei schlechter Fahrbahn eher ein Schweben.
Als Alltagsfahrzeug eignet er sich allerdings nicht mehr! Mit einer Leistung von 75PS aus 1,9 Liter Hubraum ist bei einem Lebendgewicht von rund 1,2 Tonnen kein Wunder an Beschleunigung zu erwarten. Das und die fehlende Servolenkung (heute hat ja jede Keksdose eine) sind bei der Hektik auf den Straßen eher hinderlich, das „Schweben“ macht dann keinen Spaß mehr.

Dieses Auto ist zum Reisen gebaut, nicht zum Rasen, für Choleriker gänzlich ungeeignet!

Wir fahren diese „Wanne“ (er hat ein ähnliches Fahrverhalten) mit dem roten 07er Oldtimerkennzeichen. Wenn das Wetter schön ist, wird der Rekord ausgepackt (er ist bei uns in der Werkstatt mit weichen Tüchern und einer Plane abgedeckt), um dann ganz und gar nicht hektisch über die Pisten chauffiert zu werden.
Da braucht man auch keine scheppernde Hifi-Anlage oder sonst irgendein elektronischen Kasparkram. Das ist Autofahren pur!

am 17.02.2008

Diskussionen


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mkausb
mkausb 15.11.2008

Eine sehr schöne Arbeit, ebenso die Story!

commo
commo 07.11.2008

klasse Arbeit !

OppaHardrock
OppaHardrock 05.09.2008

Gruß zurück,

ja die Arbeit hat sich gelohnt, macht echt Laune mit dem Rekorder durch die Gegend zu schaukeln. Da hat man auch gar keine Lust schneller zu fahren.

Bis die Tage, wir lesen uns...

kc
kc 31.08.2008

Beifall !

Klasse Beschreibung Eurer Arbeit, welche sich ganz offentsichtlich gelohnt hat.

Grüße aus dem wilden Süden

OppaHardrock
OppaHardrock 19.02.2008

Ich habe davon überhaupt keine Ahnung, ich bin bei uns in der Werkstatt nur der Hausmeister....

440satellite
440satellite 18.02.2008

Tolle Geschichte, tolle BIlder! Und irgendwie beschleicht mich das Dumpfe Gefühl, dass ich Dich für die Blecharbeiten an meinem Satellite gewinnen sollte … :-) Grüße, Michail

Squareback68
Squareback68 18.02.2008

Ein tolles Beispiel für vorsichtiges Restaurieren. Herzlichen Glückwunsch!

Thilo
Thilo 23.12.2007

Schöne Blechgeschichte!

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