Nonverbale Kommunikation: Wir beide werfen einen lustlosen Blick auf den Haushalt, der hier immer noch unerledigt rumliegt, dann holt Christiane die roten Kennzeichen und das Fahrtenbuch aus dem Schrank, ich flitze in den Keller und trage schon mal die Batterien für beide Oldies ins Alltagsauto. Einen Kanister Wasser, Bleizusatz zum Tanken, noch was vergessen? Ach ja, Achim anrufen, vielleicht kommt er mit. Achim erwische ich nur auf dem Handy, er sitzt mit seiner Frau bei den Schwiegereltern zum Essen. Nach kurzer Diskussion einigen wir uns auf etwa anderthalb Stunden, das sollte dem Anstand genügen und läßt genug Nachmittag über.
Leider müssen wir etwas fahren, bevor wir an unsere Oldtimer kommen: etwa zehn Minuten mit dem Auto, wenn man nicht gerade sonntags nachmittags fährt. Schnarchtüten, Dauerbremser, Kaffeeklatschkreuzfahrer, Kurvenzelebrierer und alle, die sich von Montag bis Samstag anscheinend nicht auf die Straße trauen sind heute unterwegs. Ausgerechnet heute, ich dreh durch!
Endlich angekommen dauert es nochmal eine gute halbe Stunde bis beide Fahrzeuge ausgepackt, mit Batterien bestückt, gestartet und ausgeparkt sind. Das ist immer mit viel Geschraube, Gefluche, Werkzeugsuche (13er Ring-Maul z.B., der ist immer weg...), Luftdruckkontrolle, Scheibengeputze und so weiter verbunden. Beim Caravan ist mal wieder die Bremse fest, das Coupe braucht noch Kühlwasser und, und, und.
Und dann sitzen wir endlich in den Autos.....
Und fast sofort macht sich Gelassenheit breit. Waren da eben noch Sonntagsfahrer unterwegs, über die ich mich wahnsinnig aufgeregt habe? Wo sind die denn jetzt hin? Klar, die sind immer noch da, wahrscheinlich sogar noch zahlreicher weil es mittlerweile drei Uhr ist und die Kaffeezeit näherrückt, aber es ist mir egal. Völlig.
Ich sitze auf dunkelrotem Federkerngestühl, habe ein spindeldürres riesiges Lenkrad, den Zeilentacho und die elegante Bügelfalte der Motorhaube im Blick und gondele gemütlich über eine sonnige Landstraße. Ein Stück vor mir schaukelt behäbig Christianes Caravan und zeigt in jeder flott gefahrenen Kurve eine bedenkliche Schräglage, welche der Fahrerin aber anscheinend eine Menge Spaß bereitet. Gemächlich aufglühende 6Volt Brems- und Blinkleuchten strahlen in jeder Situation Ruhe aus und lassen einem selbst genug Zeit zu reagieren.
Irgendwann sind wir dann auch bei den Schwiegereltern angekommen. Nach einigem Händeschütteln, Begrüßungen, Smalltalk, Verabschiedungen und nochmaligem Händeschütteln sitzen wir wieder in den Autos. Achim fährt seinen Ascona, das alte Brülleisen, sehr rot und sehr laut. Also lassen wir ihn vorwegfahren, wir wollen ja niemandem unser Tempo aufzwingen.
Dann schließt sich eine weitere Stunde Landstraße, Kurven, kleine Dörfer, mehr Landstraße und ein ziemlich spektakulärer Sonnenuntergang an. Das Licht wechselt langsam ins orange, um dann Stück für Stück zu verblassen. Das alles wird akustisch vom Nähmaschinensound des alten OHV untermalt und ist so schön, das es bald schon wieder kitschig ist. Man sollte Postkarten davon drucken...
Am Ende der Fahrt läuft der ganze Prozess noch einmal rückwärts, Autos einparken, Batterien raus, zudecken, Halle abschließen. Schade, schon zu Ende. Auf allen Gesichtern breites Grinsen, ein perfekter Sonntag.
Der Haushalt? Der liegt hier immer noch. Morgen ist auch noch ein Tag....
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Sonntag nachmittag oder wie man sich um den Haushalt drückt....
Fahrer Bluenote
| Eingestellt am: | 13.01.2008 | Zuletzt bearb.: | 13.01.2008 | Gelesen: | 14 | Nominierung: | – |
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Über: Opel
Vom: 13.01.2008
Nein, kein typischer Sonntag bei uns. Normalerweise frühstücken wir nicht erst um halb eins, aber der Samstag war halt ein bißchen länger, da hing schon ein Stück Sonntag dran. Und irgendwann muß man ja auch mal schlafen. Ein Blick aus dem Fenster zeigt schönsten Sonnenschein und trockene Straßen. Kalt zwar, aber trotzdem angenehm. Viel zu schön, um drinnen zu hocken.
Echt.
So ein Wetter sollte man nutzen.
Zum Fahren!

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Diskussionen
Danke! Aber irgendwann muß man halt auch mal staubsaugen, hilft ja nix! :-)))
Geht mir auch immer so, jeden sonnigen Tag nutzen um eine Ausfahrt zu machen...der Haushalt kann (muss)warten.
;-) Viel Spaß bei der nächsten...Viele Grüße
War ´ne klasse Aktion. Meine Schwiegereltern haben sich auch mittlerweile beruhigt.
Gut geschrieben und sehr nachvollziehbar!
Genau richtig, aufräumen könnt ihr immer noch.
Was für schöne Autos. Die kleinen Brüder von meinem, die in der Formgebung sehr verwandt sind.
Viel Spaß mit den Autos.
Gruß, Jens