Diese waren allerdings stets Kombi-Varianten, mein Vater musste schließlich die Transportbedürfnisse einer durchschnittlichen Kleinfamilie adäquat befriedigen. Dabei kam für ihn übrigens nie ein Ascona A in Frage; dessen Kombiausführung – den von Opel-Marketingstrategen hochtrabend getauften „Voyage“ – hatte er nie auf seinem Wunschzettel.
Vielleicht ist das der Grund, warum ich heute einen besitze: Der Kombinationskraftwagen ist in meinen Augen eben nicht so langweilig wie eine Ascona A Limousine und füllt darüber hinaus eine Lücke in meinem persönlichen Fahrzeugprofil. Wo sein Stufenheck-Bruder trotz Rallye-Image (Walter Röhrl 1974!) immer darunter litt, dass umhäkelte Klopapierrollen auf seiner Hutablage einfach etwas zu gut aussehen, umgibt den Voyage der zweifelhafte Ruf, einer der ersten Lifestyle-Kombis gewesen zu sein. Deswegen floppte er auch grandios und ist heute relativ selten.
Mein Voyage von 1972 mit 1,9 Liter-Maschine lief mir einfach zu und ich erfuhr auch erst nach dem Kauf vom Exotenstatus dieses Modells. Man kann mir also nicht vorwerfen, einer von diesen Lifestyle-Hallodris zu sein, die die Wahl ihrer Fahrzeuge nach den Trendseiten führender Herrenmagazine ausrichten. Nein, ich fand ihn einfach schön und praktisch und damit gab es schon zwei Argumente, mit der auch die inzwischen selbst vorhandene Kleinfamilie überzeugt werden konnte.
Seitdem genieße ich ihn einfach. Die tiefgrüne, nahezu schwarze Lackierung ist nicht original, stammt aus dem Isuzu-Regal (immerhin auch General Motors, liebe Originalitätshuber!) und steht dem Wagen phantastisch. Auch der leichte Highjacker-Look, den der Opel heute trägt, bekommt ihm gut. Die beim Erwerb verbauten Rallye-Heavy-Duty-Federn (Walter Röhrl, wir erinnern uns) machten ihn extrem hochbeinig und wurden deshalb an der Vorderachse durch die Standardfedern ersetzt. Im Heck blieben die verstärkten Federn drin, schließlich soll ein Kombi Dinge transportieren und dabei nicht mit dem Auspuff über den Asphalt schaben. Als nächstes auf der To-Do-Liste: Endlich die gelben Zusatzscheinwerfer auf die Stoßstange schrauben, die dem Opel und seinem Fahrer ein gewisses "International Man Of Mystery"-Flair verleihen werden. Behaupte ich zumindest, während die Gattin sich kopfschüttelnd abwendet.
Die sprichwörtliche Opel-Zuverlässigkeit ist kein Mythos, wie ich aus Erfahrung zu berichten weiß: Etwas Pflege belohnt der Ascona mit gespenstischer Startfreudigkeit und problemlosem Alltagseigenschaften. Eine geschäftliche Rundfahrt durch die halbe Republik ertrug er mit der Gelassenheit von John Lennon nach seinem ersten Indien-Trip. Dass sich im Laufe dieser Rundfahrt ein Rasenmäher inklusive Fangkorb, ein Tretroller für meine Tochter, ein Campingzelt und zwei Kästen Bier in seinem Gepäckabteil ansammelten, scherte den grundsoliden 90PS-PKW nicht die Bohne – die Leidenschaft meiner Frau für ein Internetauktionshaus war der Grund für die unfreiwillige Kaperfahrt des alten Bochumers.
Auch auf diversen Hot-Rod-Treffen konnte ich mich mit dem Voyage sehen lassen. Es kam sogar vor, dass sich bei meiner Einfahrt unerwartet ein Opel-Leidensgenosse outete mit der Frage, ob ich nicht noch eine Ersatzheckklappe für sein marodes Schätzchen hätte. Ich hatte nicht. Und wenn mir eine über den Weg läuft, kommt sie gut verpackt in den Keller und wird weder für Geld noch gute Worte ihre Schatzhöhle wieder verlassen. Das ist der Nachteil an seltenen Kombis und ihrer Ersatzteillage für alles ab der Fahrertür: Die Angst, das Opfer eines Auffahrunfalls zu werden, fährt immer mit.
Aber sprechen wir nicht von Angst, sondern von Spaß. Den kann man mit einem Voyage in großen, politisch unkorrekten Portionen haben. Sei es beim Cruisen auf der Autobahn, wo einem der Wagen bei 120 km/h das Gefühl vermittelt, er könnte jetzt einfach immer so weiter fahren bis wir einmal um die Erde sind. Oder sei es beim Showdown gegen britische Soldaten auf einem Kasernegelände am Niederrhein – aber das ist eine inoffizielle Geschichte und soll deshalb hier nicht weiter ausgeführt werden…
Und noch etwas: Ascona A finde ich langweilig. Außer, sie haben eine große Klappe.

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Diskussionen
Wunderbare Story für Carsablanca. Und folgendes wurde mir beim Lesen erst bewusst: Der Durchbruch der sogenannten Lifestyle-Kombis mag mit dem ersten T-Modell von MB gekommen sein, aber der schicke Voyage hat sicher den Weg mit bereitet. Und das nicht nur mit dem leicht schnöseligen Namen – auch das Opel-Design war zu der Zeit ziemlich gut! Ich jedenfalls hab den Ascona A als Kind geliebt. Und bis heute ist er echt verdammt selten geworden. Danke fürs Aufbewahren.
Super!
Als Kombi gefällt er mir auch wesentlich besser. Die Schnauze fand ich immer gut, aber erst mit dem Kombiheck paßt es meiner Meinung nach.