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Ersttäter - oder wie ich zu meinem ersten Klassiker kam 22.02.2010

Über: Mercedes-Benz 200 D

Meine Story über den Erwerb meines ersten klassischen Daimlers bei einem Onlineauktionshaus.

Schon immer war mein Interesse an einem fahrbarem Untersatz aus den 70er Jahren ungeheuer ausgeprägt.

Um den Bedarf an einer motorisierten Gehilfe zu decken kam es zunächst zu folgenden Vernunftskäufen: 91er Ford Escort, 98er Ford Courier, 2005er Smart CDI. Bei all diesen Autos handelte es sich lediglich um Fortbewegungsmittel ohne jeglichen Spaßfaktor.

Nach dem Abschluß meines Studiums, dem daraus resultierendem Anflug von Reichtum (plötzlich ein Gehalt zu beziehen gibt einem nach Jahren des Sparzwangs dieses Gefühl) ... wollte ich mir nun den Wunsch nach einem Klassiker erfüllen.

Nach stundenlanger Suche im Netz kam ich irgendwie auf den W115 - auch bekannt als Strich 8. Dieser von 1968 bis 1976 gebaute Mercedes hatte es mir wegen seinem biederem Äußeren und seinem in meiner Jugend häufigen Auftreten irgendwie angetan. Ich beschloß mir so ein Teil zu kaufen.

Mein Budget betrug unglaubliche 3000Euronen. Sämtliche KFZ-Handelsbörsen wurden durchstöbert, Anfragen geschickt, endlose Telefonate geführt, Besichtigungen vereinbart. Ich beäugte W114er mit dem leistungsstärksten Gußblock unterm Blechkleid sowie Dieselstricher. Fazit: Entweder zu vergammelt, zu verbastelt oder irgendwas anderes und vor allem zu teuer.
Ehrlich gesagt hatte ich zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich ne Ahnung von den Schwachstellen des W114/W115... ich war einfach nur geil auf eines dieser Dinger.

Um die Sache auf den Punkt zu bringen – ich habe mir einen 200D bei einem bekannten Onlineauktionshaus „geschossen“.
Ich war hin und weg von diesem Anblick. Der Verkäufer hat es verstanden sein Auto anzupreisen und in mir den Idioten gefunden nach dem jeder Verkäufer sehnlichst sucht. Der Daimler sah auf den Fotos toll aus … die Beschreibung las sich sehr gut… der Hinweis „Zustand 3-4“ schreckte mich nicht sondern ließ mich glauben der Verkäufer sei einfach nur grundehrlich. Auf meine Frage nach Rost an dem Fahrzeug antwortete der Verkäufer: „lediglich Flugrost um den hinteren Scheibenrahmen“.

Da der Wagen noch fast 2 Jahre TÜV hatte - und somit auch von der Prüforganisation als verkehrstauglich angesehen wurde - konnte also beherzt losgeboten werden. Bei 3200Euronen erhielt ich den Zuschlag (Meine Frau hätte mich bald nen Kopf kürzer gemacht).
Nun konnt ichs kaum erwarten den Daimler heim zu holen. Das Ding stand etwa 350km von meinem Wohnort entfernt in SZ. Die Entfernung selbst war kein Problem … Problem war nur diese Abgelegenheit vom Rest der Welt. Ich bin morgens 9Uhr in den Zug gestiegen und abends 18Uhr in SZ rausgekrabbelt.
Vor dem Bahnhof wartete schon der Verkäufer mit meiner tollen Kiste.

Tja da stand ich nun … vor mir der W115 in englischrot … so richtig freuen wollt ich mich nicht mehr. Eine richtig abgerockte Bude präsentierte sich mir da. Ich steckte meinen Kopf ins Wageninnere und vernahm einen unangenehmen Geruch (Omas etwas modriger Dachboden riecht besser). Außen entdeckte ich ein Loch im Kotflügel und etwas mehr als den beschriebenen Flugrost am hinteren Scheibenrahmen. Der Kofferraumboden war durch ein eingeschraubtes Blech laienhaft geflickt, der Lack fertig, Reifen runter usw.

350km weit weg vom trauten Heim – kein Bock wieder in die Bummelbahn zu steigen und nen verbrauchtes Auto vor den Augen hab ich den Verkäufer dann mit den gefundenen Mängeln konfrontiert und den Preis nach zähen Verhandlungen um 500Eur gedrückt.

Auf der Heimreise brauchte ich einige Male Hilfe von Passanten … die Batterie hatte keinen Saft mehr … irgendwie wurde sie nicht richtig geladen oder war zu schwach (falscher Keilriemen stellte sich später heraus). Der 200D ist nicht gerade nen Rennpferd und so sahen wir erst gegen gegen 0 Uhr die Lichter der Heimat am Horizont aufblitzen und machten nen Halt bei McDoof.

Am nächsten Morgen war die Lust den Kauf im Tageslicht zu betrachten nicht allzu groß und wich eher der Angst einen Schrotthaufen gekauft zu haben.

Die ersten Wochen habe ich mich nicht getraut den auf „Schrotti“ getauften Daimler näher anzusehen und so cruiste ich ne zeit lang so rum … sämtliche Filter und Flüssigkeiten wurden getauscht usw usf.

Bei näherem Hinsehen einige Wochen später entdeckte ich ein Swimmingpool im Fahrerfußraum und versuchte die Ursache, die Wassereintrittstelle zu ergründeln – ohne Erfolg. Nach einem notwendig gewordenen Frontscheibenwechsel bekam ich vom freundlichen Monteur den Hinweis, dass der vordere Scheibenrahmen quasi nicht mehr vorhanden war und er nicht wüsste woran er die Scheibe befestigen solle. Sämtliches Regenwasser konnte also bisher fast ungehindert eindringen ... auch die A-Säule von innen vollständig vom Rost befallen.
Das war der erste Faustschlag mitten ins Gesicht … nach tiefergehendem Gründeln unter sämtlichen Fußmatten, festgeklebten Orginalteppichfragmenten und allerhand Zeugs kamen dann weitere Rostnester größeren Ausmaßes im Innenschweller ans Tageslicht. Jetzt konnte der Weg des Wassers endlich nachvollzogen werden … es drang am Scheibenrahmen ein … floß weiter durch die A-Säule in den Innenschweller … durch zwei etwa faustgroße Löcher im Schweller in den Fußraum.
Das war ein kapitaler, wirtschaftlicher Totalschaden!! Der Mechaniker meines Vertrauens meinte am Telefon das er den Wagen noch retten könne … später auf der Hubbühne revidierte er seine Meinung schnell. O-Ton Mechaniker: „ Ich weiß nicht wo ich da anfangen soll … wenn ich vorne anfange fällt hinten alles ab und wenn ich hinten anfange dann fällts vorn. Um eine Komplettrestaurierung kommste da nich rum". Ich fuhr die Kiste noch nen halbes Jahr bis ein Stück Spachtel nach dem anderen vom Fahrzeug fiel und bekam ihn unter Angabe der Problemstellen noch für etwa die Hälfte des Kaufpreises verkauft. Mittlerweile hab ich den Wagen schon wieder drei mal bei mobile.de entdeckt.

„Schrottis“ Nachfolger ist ein W116. Fortsetzung folgt ^^ …

Diskussionen


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mo3
mo3 14.04.2010

Nette Story - es gibt bestimmt viele, die ähnliches erlebt haben. Man sollte sich halt nicht von Schnäppchenpreisen der Onlineauktionshäuser täuschen lassen - bzw. die Möglichkeit der Vorabbesichtigung nutzen. Aber, du hast den Einstieg in die Oldiszene geschafft und gleich zu Anfang ne Menge gelernt. Das ist ja quasi unbezahlbar ;o)

Hermsi_Xa
Hermsi_Xa 27.02.2010

mein erster strich8 war ein 240D 1975 (mit 'ner rolle lackiert) der zustand war so wie bei deinem - also - von der e-bucht für die e-bucht.

grüsse hermsi

Hermsi_Xa
Hermsi_Xa 27.02.2010

www.v-d-h.de . LG Hermsi

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