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Lancia Kappa Coupé, das unbekannte Meisterwerk

Fahrer Lancistos
Eingestellt am: 10.08.2008 Zuletzt bearb.: 19.08.2008 Gelesen: 29 Nominierung: Nachricht schreiben
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Über: Lancia

Verschrammt, verdreckt und unbeliebt. Warum vielleicht trotzdem der Kauf eines Ladenhüters die bessere Wahl sein kann.

Die Heckflosse, ein ungewöhnliches Detail des Kappa Coupé

Die Heckflosse, ein ungewöhnliches Detail des Kappa Coupé

Die "Ökoplakette" zwang mich zur Trennung von meinem heißgeliebten Citroen XM. Ich begann mir Gedanken um einen Nachfolger zu machen. Der Wagen sollte selten genug sein, um etwas besonderes zu sein und er sollte mein Portemonnaie nicht überstrapazieren.

Vielleicht ein Coupé, dann sollte es nicht zu "sportlich" wirken. Ich dachte an einen Volvo C70 oder einen Saab 900 als 3-Türer. Obwohl ich die seifige Formensprache der späten 1990er Jahre nicht mag, sah ich keine Alternativen. Noch auf der Suche, überholte mich eines Nachmittags ein mir bis dato unbekanntes Lancia Coupé, das ich schnell als Derivat der Kappa Limousine entlarven konnte. Die Fahrerin war in meinem Alter und sehr schaltfaul, so das es mir kaum entgehen konnte.

Was ist das für ein Auto und vorallem was kostet ein gepflegtes Exemplar? Das Kappa Coupé wurde in einer Gesamtzahl von 3200 Stück für Lancia von der Karosseriefirma Maggiora in Handarbeit gefertigt. Technische Grundlage (und identisch bis zur A-Säule) war die Lancia Kappa Limousine. Einst ein erhoffter Imageträger für die Marke, war das Auto nun ein nahezu unbekannter Gebrauchtwagen. Ein Exemplar aus dem Internet befand sich nur 15km von mir zu Hause, und es war das billigste. Der Anblick des Wagens enttäuschte: Ein stark verstaubtes und leicht verschrammtes Coupé mit italienischen Papieren, seit fast 2 Jahren stillgelegt, Ladenhüter erst bei einem Fiat-Händler aus Como und in einer LKW-Fuhre Autos bei einem libanesichen Autohändler gelandet. Es war noch dazu der an diesem Auto wenig gelobte 2.0 turbo 16V (die 205PS aus einem 2,0L Vierzylinder sollen ruppig klingen), dafür aber mit der edlen Poltrona Frau Lederausstattung.

Ein Fan des Lancia Kappa Coupé würde von diesem Auto mit Sicherheit die Finger lassen und lieber das vielfache für ein gepflegtes Exemplar ausgeben. Ich nahm auch erstmal Abstand und suchte weiter nach einem Volvo C70, aber das Lancia Kappa Coupé ging mir nicht mehr aus dem Sinn. Einen Monat später war der Wagen immer noch zu haben und so vereinbarte ich eine Probefahrt. Der Motor klang ruhig und leise, die Beschleunigung imponierte mir. Die Tatsache aber, dass auch in Deutschland niemand diesen Wagen kaufen wollte, machte mich etwas unsicher. Ich war der einzige Interessent und konnte das Kappa Coupe schließlich inkl. TÜV/AU/deutsche Papiere zum Traumpreis erwerben.

Der niedrige KM-Stand bestätigte sich durch Aufkleber von Ölwechsel und Wartung die fast ausgeblichen waren.Die umfassende Reinigung offenbarte zwar einige weitere kleine Schrammen die aus Duellen des italienischen Stadtverkehrs stammten (die Farbspuren anderer Autos ließen sich mit Nagellackentferner gut entfernen) , die Wartung und Sichtung in einer Fachwerkstatt belegte aber einen gepflegten technischen Zustand.

Ärgerlich endete hingegen ein Ausflug nach Mittelhessen: Dichter Qualm aus allen Luftdüsen des Cockpits. Alles andere funktionierte, und deshalb vermutete ich irgendetwas in der Lüftung. Der ADAC schleppte mich präventiv zum Fiat-Autohaus Kaletsch in Marburg ab. Dort sollte der Defekt behoben werden. Man hielt es dort für ratsam ohne mich zu Fragen eine umfassende Sichtung nach einem Kabelbrand zu machen. Für diese Eigeninitiative ohne Befund hatte ich 176,- € zu blechen, wenn ich den Wagen wieder sehen wollte + 950,- € wenn der fällige Lüftermotor getauscht werden sollte. Ich wies an, die Sicherung des verschmorten Lüfters zu ziehen und fuhr um 176 € erleichtert nach Hause. Das Durchschmoren des Lüftermotors soll laut diversen Foren die einzige Macke des als zuverlässig geltenden Kappa sein, und mich erwischte es am ersten Tag, wenn das kein Zufall ist.

Die fachgerechte Reparatur aller kleinen Dellen und Schrammen und der Austausch einiger Verschleißteile machen vermutlich den Preiunterschied zu den Topexemplaren wett. In Anbetracht, dass der hiesige Verkehr auch meinem vorherigen Auto Dellen von Autotüren und Schrammen von ausparkenden Idioten gewährt hat, würde ein tadelloses Fahrzeug mir nur Kummer bereiten.

[Anm. Der Gebläsemotor kostete 180€ (inkl. MwSt.Versand) aus dem Internet und wurde im Fiat Autohaus Saggio in Offenbach für 222€ eingebaut, wobei noch das defekte Rücklicht (nicht die Birne) behoben wurde]

am 18.08.2008

Diskussionen


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JanP
JanP 30.11.2008

Sehr schöne Geschichte. Kommt mir irgendwie bekannt vor! Die großen Italiener sind zumindest in der Anschaffung wahre Schnäppchen. Mein ehemaliger 166 3.0 war ebenfalls so ein Exemplar. Solange man keine Sekunde einen Gedanken an den Wiederverkauf verschenkt, kann das eine richtig glückliche Beziehung werden. ;-)

Lancistos
Lancistos 18.08.2008

Hallo Feromat,

das mit dem 'kurzen' Radstand soll tatsächlich die klassische Coupé-Silhouette stören (ich habe mich daran gewöhnt). Seltsamerweise ist der Wendekreis sehr groß. Der Wagen bietet trotzdem viel Freude und ein Hingucker ist er auch...

Feromat
Feromat 18.08.2008

Seltenes Teil, das Kappa Coupe´. Der Radstand kommt immer so seltsam 'kurz' rüber, und man kann auch nicht wirklich sagen dass das Kappa Coupé 'klassisch schön' ist, aber irgendwie hat mich der Wagen auch immer gereizt!

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