Über: Honda
Vom Besuch einer sehr hübschen Ausstellung am anderen Ende der Welt - von uns aus gesehen.
Ort: Honda Collection Hall Motegi, Japan.
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Über Kei Car und Kabinenroller
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Vor einigen Tagen hatte ich Gelegenheit zur Spurensuche in Japan. So führte mich mein Weg auch nach Motegi in die ein kleines Städtchen in den Hügeln der Präfektur Tochigi.
Motegi liegt ungefähr 150km von Tokyo entfernt, die mit öffentlichen Verkehrsmittel bewältigt werden können.
Allerdings: Das dauert.
Nach schon ungefähr 4 Stunden mit mehrfachem Umsteigen und Wechsel der Verkehrsmittel ist man am Ziel der kleinen Rennstrecke Motegi hübsch in den japanischen Hügeln gelegen.
Die letzte Stunde gondelt man in einer Schmalspurbahn gemütlich an Reisfeldern entlang den Berg hinauf und kann dabei während der Fahrt Blumen pflücken.
Um so größer die Überraschung in der Honda Collection Hall auf eine kleine, aber feine Sonderschau zu treffen:
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"The lovely vehicles in the world".
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Love!
Vehicles!
Das ist doch eine eche Carsablanca-Themen-Kombination.
In einem breiten Bogen erzählen ungefähr 20 Fahrzeuge mit Karosserie und weitere 30 Fahrzeuge ohne Karosserie die Geschichte von kleinen Fahrzeugen seit dem 2. Weltkrieg.
Eine Geschichte mit vielen parallelen zwichen Japan und der Europäischen Entwicklung.
Gleich der Einstieg ist für mich natürlich ein echter Knaller: Ein blauer Z (in Japan als GT verkauft) und eine eben so blaue Monkey sind die Cover-Fahrzeuge dieser tollen Ausstellung.
Da diese nur noch bis Mitte Juni 2009 geöffnet hat hier einige Eindrücke:
Fahrzeugen, die in Europa gut bekannt sind werden in der Ausstellung in Europa praktisch unbekannte japanische Fahzreuge gegenüber gestellt. Dabei werden Unterschiede, aber auch verblüffende Ähnlichkeiten wunderbar illustriert.
Sollten sich Fehler und Ungenauigkeiten eingeschlichen haben, bitte ich dies zu entschuldigen. Die Beschriftung der Ausstellung ist leider nicht sehr ergiebig und die netten japanischen Fräuleins sind aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse keine Hilfe. Lost in Translation...
Freue mich über weiterführende Informationen, wenn vorhanden.
Die Entwicklung beginnt in Europa unmittelbar nach dem Krieg. in Italien, aber auch in Deutschland wird nach dem Konzept zur Massenmobilisierung gesucht.
Vehikel mit zwei Rädern, Dreiräder und einfachste Automobilkonzepte. Karosserien entwickeln sich erst langsam und Teile der Konstruktion sind aus verschiedenen Gründen aus Stoff, Holz oder Gewebe.
Die Antriebe arbeiten aus heutiger Sicht mit lächerlichem Hubraumgrößen und die Leistung setzt der Größe und Ausstattung natürliche Grenzen.
Der Messerschmitt Kabinenroller ist ein Teil dieses Kosmos und uns ja wohl bekannt.
Die Lambretta die zweirädrige Entsprechung - Ist der Messerschmitt ein mageres Auto, ist die Lambretta ein fettes Motorrad - wie hätten sie es gerne?
Da ich mich bei Motorrädern überhaupt nicht auskenne muß ich diesen Teil der Ausstellung aussparen (Sorry Zweiradfans - im Nachhinein reue ich, daß ich die spärlichen Informationen nicht abfotografiert habe....).
Obwohl auch im Bereich Zweiräder schöne Gegenüberstellungen Europa/Japan angestellt wurden und futuristischen Konzepte gegen Traditionellem standen.
Vier Fahrzeuge waren mir bislang nahezu vollkommen unbekannt. Es handelt sich dabei um Fahrzeuge aus den Anfängen der japanischen Automobilindustrie.
Starten wir mit dem "Lady Bug" von Subaru.
Hier das Model von 1962. Subaru 360 mit 360ccm Hubraum und 20 PS bei 5.000 U/min. 400kg schwer und aufgrund seiner Karosserieform tatsächlich zur Beförderung von 4 Personen geeignet.
Ich kannte das Fahrzeug bereits, da es ein Carsablanca-Mitglied gibt, der diesen Wagen als Fuji Industries vorstellt.
Diese Bezeichnung ist auch richtig, denn der 360 war das erste Fahrzeug von Fuji-Industries, einem Mischkonzern, der 1960 begann unter der Marke Subaru Fahrzeuge herzustellen.
Federführend waren dabei Ingenieure der zwangsabgerüsteten japanischen Flugzeugindustrie - worin ja große Parallelen zur Deutschen Nachkriegsautoindustrie bestehen (Heinkel, Messerschmitt..
Japan ist bekanntermaßen das Land der engen Verzahnung Staat und Industrie.
Die Industriepolitik hat in den späten 50er Jahren die Idee der steuerbefreiten Fahrzeugklasse entwickelt. Kei Car genannt. (K-Car.... Leichtautomobil).
Fahrzeuge, die bestimmte Normen (Größe, Hubraum) erfüllen haben bis heute deutlich vergünstigte Kfz-Steuern.
Der Subaru 360 erfüllte genau diese Normen. Nach heutigen Maßstäben ein Winz-Hubrum von 360ccm. Abmessungen, die groß gewachsenen Menschen die Grenzen aufzeigen. Vier mittelgroße Menschen aber finden in dem Kugel-Blitz Platz.
Und man kann dem Wagen einen Liebreiz nicht absprechen und auf seltsame Weise viele Parallelen zum Käfer entdecken.
Nicht nur der Spitzname "Ladybug", sondern ja auch deutlich in der Formensprache. Vermutlich haben sich die Entwickler durchaus auch beim Käfer inspirieren lassen , oder handelt es sich einfach um Zeitgeist?
Dabei haben die Japanischen Konstrukteure eigene interessante Umsetzungen entwickelt. Auch in der Fertigungstechnik, denn die einzelnen Bauteile (Scheinwerfer, Dachkonstruktion) sind auf interessante Weise modular ausgeführt und aus teilweise aus Kunstoff.
Der Subaru 360 wurde von 1958 bis 1971 (!) gebaut und im Laufe der Zeit natürlich vielfach weiter entwickelt und mit Motorleistungen bis 36PS angeboten. Kurzfristig offenbar auch in den USA. Nach Deutschland haben es meines Wissens nur eine sehr kleine Anzahl geschafft.
Hier ist jedenfalls eines verzeichnet:
http://www.carsablanca.de/Oldtimer-Youngtimer/fuji-heavy-industries-subaru-360-k-111-l-360-2-zyl-2takt-subaru-360
Wie vielseitig und schnell die Entwicklung der Kei-Cars in Japan war erkennt man gut am Suzuki Fronte. 5 Jahre nach dem Subaru 360 verfolgt er technisch das gleiche Konzept (Heckantrieb, lufgekühlter 360ccm Motor) und entspricht damit dem vom japanischen Staat steuerbegünstigte Kleinwagenformat.
Die Umsetzung, der Auftritt, der Stil alledings sind grundveschieden viom Subaru.
Der Suzuki entwickelt eine vollkommen eigene Formensprache. "Cokebottle" lautet der Spitzname, der auf die vielen gewölbten und gekehlten Formen in der Linienführung verweist.
25 PS sind zwar keine Raketen-Papier-Werte, man muß aber 420kg Gesamtgewicht in Beziehung setzen und dann das Eigengewicht des Fahrers zum Gesamtgewicht. Entweder mehr Leistung, oder weniger (Fahrer-)Gewicht...
Suzuki war damals bereits im Motorradbau tätig und eine Macht.
Die Konstrukteure wandten bei der Motorenkonstruktion einiges des diesbezüglichen Know Hows der Motorradtechnologie an (z.b. 7-fach-gelagerte Kurbelwelle).
So könnte auch ein Fiat 600 im Jahr 1967 dagestanden haben. Zufall? Die Zeit der Lovely Vehicles auf der Welt.....
Lovely ist auch der Mitsubishi 500, Baujahr 1960. Zum Liebhaben.
Das erste Fahrzeug von Mitsubishi. Wie Subaru schon damals ein weit diversifiziertes Industrieunternehmen, das durch das Japanische Ministerium für internationalen Handel und Industrie und dessen Normen der Kei Car zum Aufbau einer eigenen Automobilproduktion angeregt wurde.
Heraus kam ein Fahrzeug mit Luftgekühltem Heckmotor 500ccm Hubraum bei 21 PS und 490kg schwer.
Weshalb das Fahrzeug auf Rücklichter verzichtet - wenn man einmal von einem kleinen roten Scheinwerfer in der kurioserweise dafür vorhandenen Kennzeichenbeleuchtung absieht - ist ein Rätsel. Passt aber ins ansonsten ja ebenfalls eher puristische Erscheinungsbild.
Das genaue Gegenteil im Styling ist der Mazda Carol von 1967 hier schwelgten die Designer im Barock und Chrom.
Kei-Car haben innerhalb weniger Jahre eine sehr große Vielfalt ausgebildet. Vom futuristischen Konzept bis hin zum luxuriösen amerikanischen Straßenkreuzer-Zitat in Miniaturformat.
Der Mazda Carol war nach dem Mazda 360 Coupe bereits das zweite Serienfahrzeug von Mazda.
Um 4 Personen möglichst viel Raum und den Passagieren im Heck eine möglichst große Kopffreiheit zu gewähren wurde eine vom französischen Ami 6 aus Europa bekannte Dachlinie entwickelt, übernommen, zitiert, wieder aufgegriffen, selbst erfunden?
Bei 360ccm leistete der Motor 20PS bei 7.000 U/min! In einigen Bereichen (Motor, Karosserie) wurde Aluminium eingesetzt.
Alles Alu und Alle Drehzahl nutzten nichts. Der Mazda war mit 560kg Gesamtgewicht recht schwer geraten. Schade, denn Form und Ausstattung zeigten, daß Stil und Größe keinen Gegensatz darstellen müssen.
Mazda hat übrigens bis in die heutige Zeit Fahrzeuge mit dem Namen "Carol" im Programm.
Bei VW gibt es nur noch einen "new beetle" bei BMW den "New Mini". Den Kadett gibt es schon lange nicht mehr....
Honda hat dann 1967 das Konzept Kei Car noch einmal vollkommen neu definiert. Der N360 (ganz hinten) hatte einen Frontmotor, Frontantrieb eine vollkommen neue Straßenlage und ging - auch aufgrund des wirklich scharfen Motors - wirklich ab, wie Schmidts Katze.
Der N360 hatte ebenfalls das zunächst für Kei Car übliche Format 360ccm entwickelte aber bei 8.500 U/min 36PS.
Die hier gezeigte Version N600 nutzt bereits 600ccm Hubraum mit 45PS und hat das extrem seltene Automatik-Getriebe.
Die bis heute gültige Kei-Car Norm hat sich im Laufe der Jahre immer weiter entwickelt. Ende der 60er wurden die strengen Hubraumgrenzen auf bis zu 600ccm erweitert, wenn die Außenabmessungen und der Verbrauch sich nicht vergrößerten.
So sollten die Japanischen Hersteller die Möglichkeit erhalten Triebwerke mit den in Europa bereits üblichen größeren Hubräumen anzubieten.
Auf Carsablanca gibt es mehrere Honda N600 zum Beispiel hier:
http://www.carsablanca.de/Oldtimer-Youngtimer/honda-n600--2
Herrlich wie die Austellungsmacher diese beiden im Jahr 1970 im internationalen und europäischen Markt angebotenen Fahrzeugkonzepte gegenüberstellen. Gegensätzlicher gehts wohl kaum:
Hier das weiche schaukelnde Urgefährt aus Frankreich. Baguette, Linete , Zigarette.... mit Stockschaltung und Wellblechoptik
Dort das scharfe Samurai-Schwert mit 600cmm bissigen 45PS und hochmodernem Automatikgetriebe.
Klar: Japan hat angegriffen und wird überholen....
Jede Ausstellung macht auch eine Aussage.
Eine wirklich schöne Sonderschau!
Auch weil ein Honda Z Coupe zum Posterchild gewählt wurde. Und tatsächlich ist das Z Coupe, das in Japan auch als Honda GT vermarktet wurde ein Fahrzeug, das in verschiedener Hinsicht den Weg in die Gegenwart weist.
Auf Basis der Honda N Reihe wurde eine jugendliches Lifestyle-Konzept entwickelt.
Der Z war frivol: Betont sportliche Karosserielinien, außergewöhnliche und prägnante Ausstattungsdetails im Exterieur, aber auch im Interieur.
Der Z wurde im Gegensatz zum N nie offiziell nach Deutschland importiert. Die meisten der wenigen heute im Markt befindlichen Fahrzeuge stammen aus den USA, wohin eine stattliche Anzahl von Z verkauft wurden.
Eines dieser Fahrzeuge besitze erfreulicherweise ich ;-)
Und ein Design im Heck, das dem Wagen in Japan den Beinamen "Taucherbrille" beschert hat.
Auch heute gibt es noch die Kategorie der Kei Cars in Japan. Mit dem Suzuki R wird ein solches Fahrzeug auch in Deutschland seit Jahren recht erfolgreich vermarktet und wurde von Opel (da ist er wieder der Name.....) als Agila in Deutschland verkauft.
Es gibt alle Arten von Kei Cars: Coupes, Limousinen, SUVs selbst SUVs mit Allradantrieb.
Zwischen 1962 und 1972 stellt wohl die Blüte der Kei-Cars dar.
Während meines Aufenthalts in Japan habe ich noch einige weitere schöne Geschichten rings um Klassiker aufgezeichnet, die ich in den nächsten Wochen online bringen will.
Stay tuned!
Feedback welcome!
Weitere Berichte zu meiner kleinen Japan-Reise:
Allgemein zu Japan als Oldtimerland:
http://www.carsablanca.de/Blechgeschichten/tokyo-hotel/pkabel
Mein Besuch auf der Tokyo Nostalgic Car Show 2009
http://www.carsablanca.de/Blechgeschichten/nostalgic-car-show-2009-odaiba-tokyo/pkabel
Mein Besuch bei der in Honda S800-Kreisen legendären Garage Iwasa:
http://www.carsablanca.de/Blechgeschichten/honda-garage-iwasa-fixstern-am-s800-himmel/pkabel
Mein Besuch im Toyota Automobile Museum kann man hier nacherleben:
http://www.carsablanca.de/Blechgeschichten/toyota-automobile-museum-tam-nagoya-japan/pkabel
Diskussionen
Super, vielen Dank für deine vielen interessanten Berichte aus Japan! Da hast du einen grossen Aufwand gehabt -- aber es hat sich gelohnt! Man spürt den Enthusiasten in dir! :-)
Diese Bonsai-Autos haben es mir besonders angetan. Vielleicht kommen die künftig auch wieder öfter zu uns?
Sensationell - das ist wirklich eine tolle Schau und ein guter Bericht darüber mit klasse Erklärungen zur historischen Einordnung. Damit wird bestimmt noch einmal das Interesse an japanischen Oldtimern hier in Deutschland gestärkt!! Viele Grüße
Peter wirklich toll zu lesen und zu sehn.
Grüße
Florian
Hi Peter Danke für diesen interessanten Einblick in die Frühzeit des japanischen Autobaus. Die Skurrilität und Individualität der frühen Entwürfe ist wirklich beeindruckend. Gut finde ich auch, dass die Ausstellung über den japanischen Tellerrand hinausblickt und europäische Konzepte mit einbezieht. Schade ist nur, dass Honda es sich verkniffen hat in diesem Zusammenhang einen S360 auszustellen. Ich bin ehrlich gesagt nicht sicher ob noch einer existiert denn ich kenne nur zeitgenössische Bilder. Aber die Idee als erstes Automobil einen Sportwagen in der Kei-Klasse zu präsentieren war schon bemerkenswert und unterstreicht dazu den Variantenreichtum dieser Fahrzeuggattung. Ich freue mich auf weitere Geschichten aus Japan. Mark.
sehr interessanter Artikel über ebensolche Klein(st)wagen, die Japaner werden ja hierzulande zu Unrecht immer noch als Kopisten verschrien, dabei haben die doch ne ganz eigene Entwicklungsgeschichte mit einigen wunderbaren Stilblüten