Eine Woche nach seinem 85. Geburtstag wurde der ehemalige Busunternehmer Erwin S. aus N. noch einmal besonders überrascht.
Als er am Samstagabend im Garten auf dem Bänkle sitzt, hört er auf einmal ein RÄM-BÄM-BÄM-BÄM vor dem Haus. Das klingt doch wie eine DKW und als er um die Ecke schaut erkennt er sie sofort wieder, seine alte DKW ist wieder da!
Maria komm schnell, unser Motorrad ist wieder da ! Orginalton der Ehefrau: „Oh Erwin, als i do druff ghockt bee, ben i 18 gwäh und heut ben i 81
1994 war Erwin S. noch als Chauffeure mit seinem Omnibus unterwegs und hat eine Gruppe vom Evangelischen Jugendwerk Nagold in die Schweiz gefahren.
Auf der Fahrt dann hat der Oldtimerfreund Stefan S. aus B. von der DKW SB 200 Baujahr 1937 erfahren und als man wieder zu Hause war wurde der Kauf vollzogen und versprochen, wenn das Motorrad wieder läuft komm ich dich besuchen.
15 Jahre sind in der Zwischenzeit schon wieder vergangen, bis die DKW im Frühjahr 2009 aus dem Dornröschenschlaf geweckt wurde.
Eine Vorkriegsmaschine im unrestaurierten Originalzustand selten anzutreffen.
Der Tank wurde innen entrostet und versiegelt, der Vergaser war zusammengeklebt und fest,
die Bremshebelaufnahme war abgebrochen, der Fahrersitz musste geschweißt und frisch bezogen werden und noch so manches Zipperlein kam zum Vorschein .........
Erstaunlich obwohl das Motorrad seit 1945 nicht mehr zugelassen worden ist, war noch ein starker Zündfunke vorhanden. Der 195 ccm 2-Takt Motor mit 7 PS sprang sofort an und ging aber auch sofort wieder aus.
Beim DKW Spezialisten war zu erfahren, dass Plus und Minus an der Zündspule getauscht werden müssen, dann läuft sie wieder.
So war es dann auch!
Bei der damaligen DKW / NSU Generalvertretung Widmann in Calw, wurde 1937 das Motorrad von Malermeister Fritz Kirchherr erworben.
1939 hat dann Jakob S. (Vater von Erwin) aus O. das Motorrad gekauft.
Dass es nicht im 2. Weltkrieg von der Wehrmacht eingezogen wurde war nur der Tatsache zu verdanken, dass Jakob S. mit ihm „ausgebombten Familie“ die im Raum N. untergebracht waren, die zugeteilten Lebensmittel zu fuhr und so wurde die DKW an der Heimatfront gebraucht.
Beim Einmarsch der Franzosen war das Moped dann unter einem großen Haufen Stroh im Backhaus versteckt und blieb so im Familienbesitz.
„Nah wie fährt sich das Ding heute?“ Wurde Stefan S. schon oft von Passanten gefragt.
Mit der 3. Gang Handschaltung bergabwärts an eine Kreuzung zu fahren, ist nicht ganz einfach und braucht schon etwas Übung!
Und neulich auf dem Weg ins Büro, morgens um halb sieben am Kaltenbronn, ist der Schlauch im Vorderreifen geplatzt.
„Er war wie alles an der DKW selbstverständlich noch das „Originalteil“ !

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