Humor ist – wenn man trotzdem lacht. Und am besten ist es bekanntlich, wenn man über die eigene Dummheit lachen kann. – Zumindest im nachhinein – und ich denke da wird es Euch nicht besser gehen. Die Situation, in die ich mich am Samstag, den 15. August 2009 geschafft habe, ist aber einfach zu schön und lächerlich, um sie für mich zu behalten.
Maria Himmelfahrt. Wieder mal einer dieser schönen Feiertage (wenn er denn nicht gerade wie 2009 auf ein Wochenende fällt), wo der Saarländer sich entspannt zurücklehnen kann, derweil im Rest der Republik, außer noch in Bayerischen Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung gearbeitet werden muß.
Kleinere Arbeiten, wie das Pflücken von Zwetschgen und das Einbringen von Hohlraum-versiegelung in die Karosserie meiner Ente hatte ich bis zum Nachmittag schon erledigt.
Die Sonne brannte unbarmherzig vom blauen Himmel und ein traumhaft schönes Wochenende mit der Einladung zum Abendessen beim Nachbarn lag vor uns.
Christiane fragte mich beim WET in Tschechien, wo man auch schon Not hatte sich einen Schattenplatz zu schaffen, wo denn die kleinen Sonnenschirme wären, die wir einmal extra für solche Treffen gekauft hätten. Ich hatte da so eine Idee, die ich auch gleich mal verfolgen wollte. So weit ich mich erinnerte, hatte ich die Schirmchen zuletzt in meiner Kastenente AZU Fourgonette, Baujahr 1958, in der Garage gesehen. Dort drin liegen gut verwahrt neben allerlei Plakaten auch alle Bilderrahmen unserer großen Fotoausstellung, die wir bei Messen und anderen Events immer wieder gerne zum Einsatz bringen.
Der AZU ist das einzige meiner Fahrzeuge, welches seit seinem letzten Straßeneinsatz 1992 zuhause in der Garage steht. Dort fristet er bislang recht lieblos in die Ecke gepfercht sein trauriges Enten-Dasein und wartet bislang leider vergeblich auf die Wieder-Inbetriebnahme.
Immer heißt es „nächstes Jahr“ – und dann ist es auch schon wieder vorbei – das Jahr.
Nun gut, ich bin also in die Garage – und schon hatte ich ein Problem. Vor knapp zwei Monaten hatten wir uns eine neue Wohnzimmer-Einrichtung gekauft. Da es sich als überaus schwierig herausstellte, die alte „Wohnlandschaft“ mit Bettcouch und Ottomane loszuwerden, wanderte das gute Stück kurzerhand erst mal runter in die Garage neben den AZU, neben dem bislang nur meine Kawasaki geparkt stand. Weitere Kisten und Kästen mit Ersatzteilen engen zusätzlch die Zuwegung ein und ich musste mich erst mal umständlich auf die andere Seite des Möbelberges schaffen. Vor der Beifahrertür des AZU angekommen stellte ich fest, dass diese nur knapp 15 cm weit zu öffnen war und dann vehement durch die übereinander gestapelte Couch ausgebremst wurde. Ein Umstapeln des ganzen Gerödel hätte gut eine halbe Stunde Zeit erfordert – und das nur wegen einem Blick/Griff in die Kastenente – nei, die Arbeit wollte ich mir nicht machen.
Ich hatte gerade so viel Platz, um vor der Beifahrertür Stellung zu beziehen. Ok, dachte ich mir, werfen wir mal einen Blick durch das Klappfenster. Klappfenster hoch und mal den Kopf ins Wageninnere gesteckt. Die Neonlampen der Garage erlaubten mir einen groben Einblick in die Interna des Laderaumes und als sich die Augen an das Halbdunkel (nicht zuletzt wegen der zugestaubten Windschutzscheibe) gewöhnt hatten, erblickte ich auch hoch erfreut die Objekte meiner Begierde. Gut und gerne zwei Armlängen von mir entfernt lagen die beiden Sonnenschirmchen auf dem Radkasten hinter dem Fahrersitz.
So, da stand ich nun also in gebückter Haltung mit dem Kopf im Innenraum und stellte fest, dass ich locker auch die Schultern und Arme durch die Öffnung zwängen konnte. Doch auch das erlaubte mir noch nicht den Zugriff auf die nun nur noch knapp 10 Zentimeter entfernten Sonnenschirme. Ein Stückchen geht noch, dachte ich so bei mir und als meine Rippenbögen mit einem förmlichen „Plopp“ die Fensterkante überwanden machte sich auch im Kopf ein „Plopp“ bemerkbar, als mein Hirn die Meldung aussandte „Scheiße - eh Alter, jetzt ham’ wa da aber ein Problemchen“. Gleich meldete sich die Vernunft zu Wort „Keine Panik, alles wird gut, wo wir rein gekommen sind, da kommen wir auch wieder raus“. Dermaßen erst mal beruhigt begann ich im AZU meine Schirmchen nach vorne zu holen und dabei – schon halb im Wagen drinn – mir einen genaueren Überblick über dessen Inhalt zu machen. Just in dem Moment fiel mir das Klappfenster ins Kreuz und engte meine Bewegungsfreiheit um weitere 2 cm ein.
„Das kann doch jetzt nicht wahr sein“ – dachte ich so bei mir, stellte sofort meine Aktivitäten im Wageninneren ein und klappte umständlich am Körper vorbeigreifend das Klappfenster wieder hoch in das morsche Haltegummi. Dann startete ich mal einen ersten zaghaften Versuch, meinen Oberkörper zurück durch die Fensteröffnung zu winden. Das kleine Wohlstandbäuchlein stellte dabei absolut kein Problem dar und auch die ersten 10 cm gingen wie von selbst, doch dann war erst mal Schicht im Schacht.
Erbarmungslos Feierabend, Ende, Finito. Da war eine ertastete Stufe von Fensterkante zu Rippenbogen, die gut und gerne ihre satten 3 cm ausmachte. Ca. 10 Minuten steckte ich nun schon in der „Klapp-fenster-Falle“. Die Luft war stickig – wir hatten draußen schließlich knapp 30 Grad. Die Sicht durch die Frontscheibe war eher bescheiden, ich war alleine in der Garage, an einer Stelle, zu der man eh schon nur mit einem akrobatischem Hürdenlauf gelangen konnte, der angrenzende Kellerraum hat Schalldichte Feuertüren, meine Mutter hielt ihr wohlverdientes Mittagsschläfchen und Chris befand sich im Garten und half dort dem Grüngemüse auf die Sprünge . . .
Ein erster Anflug von Panik machte sich in mir breit, als ich feststellte, dass ich mich da in eine ganz schön dumme Situation gebracht hatte, aus der mich so schnell keiner rausholen könnte – selbst wenn es mir gelingen sollte, mich irgendwie lauthals um Hilfe rufend bemerkbar zu machen. „Ruhig bleiben“ – gemahnte ich mich zur Ruhe, weil ich auch nicht wirklich wollte, dass die Feuerwehr ihr laufendes Fest unterbrechen sollte, um einem „Idioten“ wie mir aus seiner Notlage zu helfen. Hatte ich doch noch knapp eine Stunde vorher den Probealarm gehört, der die Vorführungen der Jugendwehr einläutete. – Nein, dieser Blamage und einem etwaigen Artikel über den „tollpatschigen Entenfahrer“ im „Sulzer“, der kleinen Zeitung für die Sulzbacher Bürger, wollte ich unbedingt entgehen. Es ist schon sagenhaft, über was man sich seine Gedanken macht, wenn man in so einer „Zwickmühle“ (im wahrsten Sinne des Wortes) steckt.
Ok, was tun ? Option 1, ich schaffe mich komplett ins Wageninnere, räume, wenn ich schon mal drin bin, den Laderaum etwas auf, in der Hoffnung, dass mich vor dem Abendessen beim Nachbarn irgendwer vermisst, sich dabei vielleicht in die Garage verläuft und mich armen Wicht bedröppelt im AZU sitzen sieht.
Option 2, ich suche nach einer Alternativlösung, weil ich eigentlich gar nicht will, dass so viel Dummheit entdeckt wird.
Ich wähle Option 2 und bin nun schon gute 15 Minuten halb drin – halb draus. Mir fällt ein, dass ich ein „Schrauber“ bin. Ich sehe die Schrauben, die den oberen Teil des Klappfensters in der Tür halten. Die Suche nach einem Schraubendreher in meinem unmittelbaren, etwas eingeschränkten Aktionsradius bleibt leider erfolglos, doch ich entdecke einen Blechwinkel, mit dessen Hilfe ich eine Minute später schon die erste Schraube gelöst habe. Als ich – umständlich auch die zweite Schraube angehe, stelle ich fest, dass diese beiden nur die beiden Schanierbolzen für untere Klappfenster halten und ich unmöglich aus meiner Position heraus mit dem Blech an die drei Schrauben ranlange, die wirklich das feststehende obere Fensterteil im Türrahmen halten. Außerdem gräbt sich nun auch die Sorge um einen Krampf langsam in meine Gehirnwindungen, da ich jetzt schon geschlagene 20 Minuten in dieser gebückten Haltung in der Beifahrertür hänge. Flüchtig – aber wirklich nur ganz flüchtig – überlege ich mir die „Zerstörung“ des oberen Fensterteiles, um mich aus dieser Zwangslage zu befreien. „Nein, das tue ich meinem AZU nicht an, den trifft keine Schuld“.
Durchatmen, ich höre in mich hinein und entschließe mich, es noch einmal zu versuchen, auf dem selben Weg heraus zu kommen, auf dem ich ja auch rein gekommen bin. Sehr schnell bin ich wieder an der „Rippenhürde“ angelangt und habe sogar das beklemmende Gefühl, dass da schon etwas angeschwollen ist – auch nicht gerade eine berauschende Erkenntnis.
Der erste zögerliche Versuch ist schmerzhaft und ich fluche leise vor mich hin, teils wegen der Schmerzen, aber eher noch wegen der eigenen Dummheit, die mich in diese Lage gebracht hat. „Schmerzen – es gibt Schlimmeres“, höre ich eine innere Stimme sagen und zögere auch nicht lange. Ich ziehe den Oberkörper zurück bis zum rechten Rippenbogen, presse alle Luft aus den Lungen, drücke mit der rechten Hand die erste Rippe nach oben und bin Bruchteile von Sekunden später mit einem Mal wieder ein freier Mensch . . .
Ich lasse Schirme Schirme sein, krabbele aus meiner „Kuschelecke“ hinten in der Garage, gehe raus in den Garten ins gleißende Sonnenlicht, atme die frische Luft ein und beichte Christiane, dass ich heute nicht mehr in den Keller gehen will.
Auf die Frage nach dem Grund erzähle ich Ihr die ganze Story und sie verschluckt sich fast vor Lachen . . .
Ich muß auch lachen und wie in den Sendungen im Fernsehen, wo verrückte Leute verrückte Dinge machen, kann ich jetzt nur sagen : „Liebe große 2CV-Kinder, bitte nicht nachmachen, was der Onkel da getan hat.“
Erstens ist es echt „saublöd“, so dumm rumzuhängen und zweitens sind jetzt da ich einen Tag später diese Zeilen schreibe, die blauen Flecken erst am wachsen und ich hab schon die ein oder andere druckempfindliche Stelle . . .
Euch allen viel Spaß mit der Ente, aber bitte immer schön die Türen benutzen . . .
Gruß, Ronny, Action-Ents-Saar, 16. August 2009

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Diskussionen
Tja - so kann's gehen! Aber man will ja schließlich Zeit sparen und sich ja nicht zuviele Umstände machen. Da kann das schon mal auf einen zurückfallen und dann wird's richtig schwierig.
Merke: die Klappfenster der Ente sind keine Einstiegsluken sondern ihre Entenflügel wenn sie über buckelige französische Landstraßen schwebt ;-)
Grüße
Jürgen
Welch fesselndes Wesen so eine Ente doch haben kann...