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Die Leiden eines TÜV-Prüfers

Fahrer Ronny
Eingestellt am: 08.06.2009 Zuletzt bearb.: 12.06.2009 Gelesen: 77 Nominierung: Nachricht schreiben
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Über: Citroen 2CV

Sie haben es in der Tat nicht leicht. Die Prüfer beim TÜV. Auf der einen Seite die Pflicht der ordnungsgemäßen Überprüfung der Fahrtauglichkeit eines Fahrzeuges - auf der anderen Seite "Mensch" zu bleiben und mal 13 gerade sein lassen.
Ein Job, der einem ganz schön was abverlangt, aber sicher ein Job, der auch Spaß macht - an manchen Tagen . . .

Breitente -.ob die wohl TÜV-Segen bekommt ???

Breitente -.ob die wohl TÜV-Segen bekommt ???

...man(n) hat’s nicht leicht. Schon gar nicht, wenn man einen 2CV sein Eigen nennt. Die Saarbrücker Zeitung hatte 1990 (letztes Baujahr des 2CV) eine total coole – leider aber auch zutreffende Schlagzeile über den Jahres TÜV-Bericht für Kraftfahrzeuge geschrieben :
„Die ENTE muß ein Leben lang aufgepäppelt werden“.
Ich meinerseits habe die zumeist undankbare Aufgabe, einer der „Aufpäppeler“ zu sein. Der Kampf gegen den Rost, ein Kampf wie gegen Windmühlen. Hätte man die Chance gehabt, jeden 2CV von Anfang an zu betreuen, dann könnte mancher Kampf gegen den Erzfeind Rost gewonnen werden, aber so, wo nun die jüngste Ente gerade mal 19 Lenze auf dem Buckel hat, ist die Situation meist frustrierend und hoffnungslos.
Seit Jahren tendiere ich daher zur Total-Operation, bei der ich Karosserie und Fahrgestell voneinander trenne, um zum einen in jede Ritze Einblicke zu erhalten und mir zum anderen verschiedene Arbeitsgänge erheblich erleichtern kann.
Optimal ist so eine Zerlegung natürlich, wenn man dabei gleichzeitig in die Zukunft investiert und ein verzinktes Fahrgestell mit bis zu 11 Jahren Garantie gegen Durchrostung zum Einsatz bringt. Ein nicht gerade billiges Vergnügen, aber für einen wahren „Enthusiasten“ rechnet sich das. Man spart auf so vieles, warum nicht auch mal auf einen vernünftigen 2CV-Rahmen – oder zu Weihnachten zum Beispiel ein neues Rollverdeck in Cabrio-Qualität.
Nun gut, ich habe die Sache zumeist selbst in der Hand und so manches Stück Blech ist mir nunmehr 32 Jahren Schraubertätigkeit schon durch die Finger gerieselt. Momentan bin ich mit dem Aufbau von drei Fahrzeugen beschäftigt (derweil mir das eigene unterm Hintern wegbricht – ist wie die Sache mit dem Schuster :-)).
Sohnemann 1 und 2 haben jeder schon eine Ente geschrottet – total versteht sich. Sohnemann 1 fährt seither Renault Twingo – und läßt jeden 2. EURO in der Werkstatt. Sohnemann 2 ist dazu verdammt Ente zu fahren, alldieweil er noch nicht selbst verdient und ich den einst vom Bruder vererbten Fiesta in Folge vehementer Auflösung wichtiger zum Fahren notwendiger Bauteile außer Betrieb genommen habe und höchst persönlich zum Schrottplatz gefahren habe.
Ein EURO-Grab weniger – glaubte ich zumindest. Seit zwei Jahren fährt er nun wieder Ente – oder er versucht es zumindest. Eine lange Serie von Vor- und Unfällen durchzieht das Jahr. Ente in Autobahnkurve auf die Seite gelegt (Totalschaden – zum Glück nur am Blech), Mit der Ente die MC-Drive-Pfosten gebügelt – Rahmen verbogen. Mit der Ente im Regen auf Vordermann aufgefahren – Rahmen gebrochen. Ente macht abenteuerliche Getriebegeräuche – nun gut, kann er wohl nix für, das vordere Hauptlager im Getriebe hat sich zerlegt. Mit Ente gegen Beton-Poller – Rahmen nun endgültig fertig, Ummontage der Hütte fällig... und so könnte ich noch viele kleinere Geschichten zusammentragen, die mir die Schrauberei nie langweilig werden ließen.
Man trägt sich wirklich mit dem Gedanken, Ihm ein anderes Auto zum „Rumbumsen“ ohne Reparatur-Zusage zu kaufen – oder besser noch eine BUS-Fahrkarte. Dazu muß man wissen, daß zwischendurch auch der „Oma kann ich mal kurz mit Deinem Auto...“ ZX an n’er Ampel ins Heck des Vordermannes bewegt wurde und auch mein guter „Winter-Visa“ die Bekanntschaft mit „leicht gegen einen Pfosten...“ gemacht hat. In beiden Fällen waren jeweils etwa 4 Stunden Richtarbeit von Nöten, um die Fahrzeuge wieder in halbwegs ansehnlichen Zustand zu versetzen.
Nun steht eine Breitente (sein Wunsch-Entchen) in der Garage. Verzinkter Rahmen, Neue Stoßdämpfer, komplett neue Bremsanlage mit VA-Leitungen, neues Assböck-Verdeck, Visa-Motor – nur bislang fehlen die Felgen.
Irgendwie bin ich froh über jeden Tag, den sich die Anmeldung wegen der fehlenden Räder hinauszögert, denn jeder Tag in der Garage ist, wie mir scheint, ein neuer glücklich überstander Tag im Leben der neuen Ente.
So, und jetzt bin ich wieder mal soweit, daß ich mich überwinden muß.
Seine Noch-Ente, eine einfache weiße, ohne Schnörkel, ohne die Option gewaschen werden zu müssen, mit Resten von Konfetti und Faschingsbonbons in der Ablage und auf dem Boden (is‘ ja auch erst sechs Monate her), mußte zum TÜV. Einzige gravierende Pflichtarbeit – das Bodenblech zu Füßen des Fahrers. Alles andere sollte noch den erhofften Segen bekommen. Achsschenkel ok, Reflektoren fast neu, Beleuchtung in Ordnung, was soll schon groß passieren...
Also hin, zum TÜV-Mann meines Vertrauens. Eine kleine Ein-Mann-Prüfstelle (ehemalige Tankstelle). So’n Glück, kein anderes Fahrzeug da, wir kommen sofort an die Reihe... super.
Manfred, ca. 32 Jahre jung, kommt aus dem Kassenhäuschen – und stöhnt, als er der Ente angesichtig wird – „Das hat mir heute noch gefehlt, eine Ente“.
Meine Frage nach dem „Wieso“ wird mit „Lauter Schrott heute“ kommentiert. Ich bin hocherfreut. Manfred geht mit dem festen Schritt eines Vollstreckers auf die unschuldige weiße Ente zu, öffnet die Tür, um sich hinters Lenkrad zu schwingen – und ich höre nur noch das häßliche Geräusch, genau so, als wenn Stoff reißt. Das Fluchen und der Griff zur Gürtelschlaufe erübrigen ein weiteres Nachfragen, was denn passiert sei und Manfred fällt in einen total ausgelutschten Sitz eines Citroen-Visa, der meinem Sohnemann bislang völlig genügte (aber nur Ihm). Die Hand noch auf der Türkante, zieht er diese mit leiser Wut, unüberhörbar heftig in die Zu-Stellung. Das wiederum läßt sich die Ente nicht ge-fallen – aber sie läßt etwas fallen – und zwar saust unvermittelt das Klappfenster herunter – und richtig – erwischt noch brav alle vier Finger von Manfred, der sogleich einen Schrei der Freude ob dieser netten Geste von sich gibt. - Ich sehe meinen Sohn an, der unbedingt mal beim TÜV-Termin dabeisein wollte und sage : „Das war‘s dann wohl mit dem TÜV-Segen für Deine Ente“.
Und ich sollte mich nicht getäuscht haben. - Derweil ich noch ganz froh war, daß die Ente Manfred nicht gleich die Finger gebrochen hatte, meinte dieser schon beim Hochfahren der Scherenbühne, ich solle gleich von der Prüfstelle aus zum „Hochofen“ fahren. Sein mir durchaus verständlicher Ärger fand Ausdruck in der Grobheit, mit der er die Weichteile des Unterbodens an den bekannten Stellen mit einem kleinen Hammer tracktierte. Hier sei noch ergänzend erwähnt, daß ich seit Jahren mit meinen 2CV’s zu Manfred fahre und er (vielleicht dummerweise) alle „Schwachstellen“ unseres geliebten 2CV’s kennt. Gnadenlos popelte er an zwei Stellen (zu Recht) die recht angegriffene Falznaht des Unterbodens auf, bemängelte einen der hinteren Stoßdämpfer und arbeitete sich mit etwas Mühe hinten rechts in die dunklen Abgründe der Rückbankstufe vor. Die fehlende Befestigungslasche des vorderen rechten Kotflügels und das mangelhafte Ergebnis der Bremsprüfung am rechten Hinterrad ließen Ihn in Tateinheit mit den vorgefallenen Angriffen der noch immer unschuldig dreinblickenden weißen Ente ein vernichtendes Urteil fällen – „Erhebliche Mängel - Keine Plakette“.
„Und dafür laß ich mir auch noch die Hose zerreißen und die Finger quetschen“ - “Aber ich weiß ja, daß Du das alles wieder hinbiegst – und schon bald wieder vorfährst“ – „Wünsche frohe Bastelarbeit“.
Recht hat er, aber ich muß zu seiner Ehrenrettung auch sagen, daß er stets fair ist und normalerweise auch nicht kleinlich, wenn es wirklich nur „Kleinigkeiten“ sind.
So, und nun kann ich wieder loslegen (bzw. mich drunterlegen) – ob ich will oder nicht – ich muß wohl, denn ab heute fährt Sohnemann wieder meinen guten Visa, weil die Ente ja „in Arbeit“ ist.

am 15.06.2009

Diskussionen


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audi80B1
audi80B1 12.06.2009

Super Story, hab mich gekringelt vor Lachen! Der Wunsch nach einer eigenen Ente ist bei zumindest auf meiner Seite ungebrochen. Meine Frau wollte vorher schon keine. Fortsetzung folgt? Hoffentlich!!!

Mark
Mark 11.06.2009

Klasse "Geschichte", tolle Schreibe.

webmatze
webmatze 11.06.2009

Eine wirklich sehr bildlich geschriebene Blechgeschichte. Habe mich köstlich amüsiert. :o) Mehr davon!

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