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Lückenhafte BMW-Geschichte

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Eingestellt am: 23.06.2008 Zuletzt bearb.: 23.06.2008 Gelesen: 26 Nominierung: Nachricht schreiben
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Über: BMW

Vier Jahre lang wurde an der Erweiterung und am neuen Konzept des BMW-Museums gearbeitet. Zeit, sich am Eröffnungstag einen Überblick zu verschaffen...

BMW 531 von 1951, Prototyp eines geschrumpften 327 und Teil der ersten Sonderausstellung im BMW Museum

BMW 531 von 1951, Prototyp eines geschrumpften 327 und Teil der ersten Sonderausstellung im BMW Museum

12 Euro Eintritt, so war vorab zu lesen, sollte der Besuch des neuen BMW-Museums nach der Neueröffnung kosten. Dafür sei die Ausstellungsfläche auch um das Fünffache gewachsen, hieß es weiter. Muss ja ein ganz schön umfangreich geworden sein, so freute ich mich und machte mich direkt von der bescheidenen Moto Technica auf, um gleich am Eröffnungstag dem Neuling auf den Zahn zu fühlen.
In dem Zusammenhang muss ich dann darauf hinweisen, dass ich in Bezug auf BMW nicht für meine völlige Neutralität garantieren kann. Allerdings sollten sich zwei Jahre Kopfwäsche vor Ort in BMWs Entwicklungszentrum und 2 Jahre Arbeit für BMW als Kunden dann doch wieder die Waage halten.
Bekanntlich vergisst BMW ja in praktisch keinem Satz, das nichtssagende Wörtchen „Premium“ in irgendeiner Form einzubauen. Um diesem Anspruch Genüge zu tun, standen schon sechs Pretiosen von jung bis alt als Empfangskomitee vor der Tür aufgereiht und auch die Mannschaft zur Betreuung der Besucher am ersten Tag war vorbereitet wie auf einen Staatsempfang (wenngleich der rote Teppich dann doch fehlte...). Praktischerweise wurde man von BMW an diesem besonderen Tag „eingeladen“ und konnte sich den Eintritt sparen.
Das Konzept umfasst zwanzig verschiedene Themenpavillons, die sog. „Häuser“, die über „Straßen“ miteinander verbunden sind. Von der Kasse weg taucht man in diese schöne neue BMW-Welt ein und wird dabei ständig von einer Musik berieselt, die man auch im Zoo im Aquarium einspielen könnte. Vorbei an einer Installation von schwebenden Kugeln, die auf Bewegungen in ihrem Feld reagieren – Inspiration genannt, aha. Ein kurzer Blick auf den ersten Flugmotor, das erste Motorrad und das erste Auto aus dem Hause BMW. Alles in perfektem Zustand. Dann sticht eine Vitrine ins Auge, in der 20 Serienmotorräder wie Insekten hinter Glas aufgespießt scheinen. Wohl dem, der die Dinger so konserviert hat, dass sie einander nicht vollölen.
Weiter geht’s ins Haus der großen Motorsporterfolge, wo sich der Siegerwagen der Ersatz-Mille von 1940, ein 328 MM Touring-Coupé, samt Pokal findet, genauso wie der Weltmeister-Brabham mit Turbo-Power nebst einer ganzen Ahnengalerie von Rennsportmotoren und dem Rohrrahmen einer Kamm-Stromlinienlimousine.
Es folgt eine Installation mit den vier übereinander schwebenden Urahnen der heutigen Baureihen 3er (E21), 5er (E12), 6er (E24) und 7er (E23), immer schön in Topmotorisierung. Dann das Haus mit der Überschrift „BMW 7er“, in dem der Werdegang der – räusper – Oberklasse der Marke dargestellt ist. Erster „Siebener“ ist damit der 335, ein zur damaligen Zeit wohl eher als Mittelklasse zu bezeichnendes Auto, wenngleich die ausgestellte Limousine wirklich sehr schick aussieht. Es folgt der 502, auf den wohl ähnliches zutrifft. An dessen Stelle hätte sich sicherlich einer der beiden 505, die es mit Adenauers Hut nicht gut meinten, besser gemacht. Das Bild wird abgerundet von einem 3,3 Li (E3) und dem ersten Oberklasse-Turbo 745i (E23, nur zehn Meter vom anderen 745i entfernt, schließlich noch die Baureihen E32 und E38. Zum Glück, möchte man sagen, hat man die Linie an keiner Stelle bis in die Gegenwart fortgeführt. Das bleibt dann doch der gegenüber liegenden BMW-Welt vorbehalten, die über eine dynamisch geschwungene Brücke quasi direkt mit dem Museum verbunden ist.
Kurze Verschnaufpause, den Pavillon mit zeitgenössischer Werbung aus 70 Jahren eiskalt rechts liegengelassen, ein Blick auf die Rennmotorräder vom Cup-Boxer bis zurück zu Ernst Hennes Weltrekord-500er (historisch inkorrekt ohne Hakenkreuz, wie mir einer der fleißigen Einflüsterer mitteilte). Die Runde führte weiter vorbei an ein paar wesentlichen Motorkonstruktionen der Marke für den Serieneinsatz und am „Haus“ Atelier & Schatzkammer. Darin fanden sich ein weiterer 328 MM, diesmal als Roadster, und die Studie Z9 GT von 1999 neben einem 3,0 CS (E9). Auch ein Clay-Modell des neuen Einser-Cabrios (E88) war zu finden. Alles in allem vermittelte das einen Hauch von Willkür, aber wenigstens war die Multimedia-Installation ganz witzig: je nach Standort des Betrachters erklärte die Stimme aus dem Off bereitwillig auf deutsch oder englisch. Fast ein bisschen an den Rand gedrängt die Chronologie der Marke und „Aspekte“ wie die Zwangsarbeiter im Krieg genauso wie die Begeisterung für den Motorsport, alles appetitlich verpackt in scheinbar dicken Wälzern, die den Besucher je nach aufgeschlagener Seite auch einfach vollquatschen, wahlweise in Englisch, versteht sich.
Unten am „BMW-Platz“ angekommen, findet man die große Roadster-Tradition vor, angefangen beim 3/15 PS DA3 Wartburg über den 315/1 Sport in einer genialen Farbkombination, den inzwischen vierten 328, den – na klar – 507, Z1, Z3 und Z8, letztere beide in der originalen 007-Farbgebung und mit entsprechendem Hinweis. Im Pavillon „Aerodynamik“ findet sich ein 327/28 Coupé, daneben die „Tourenwagen“-Hütte, angefangen bei Hubert Hahnes 2000 Ti über einen 3,0 CSL IMSA, einen 320 Gruppe 5, einen Bigazzi-DTM-E30 bis hin zum M3 GTR. Noch ein schneller Blick auf die M GmbH mit ihren Erzeugnissen M1, M5 (E28), M6 (E24) und M3. Hinter der Wand noch ein paar Kopfhörer mit Rennsound für die von der Tauchermusik abgestumpften Ohren. Dann vorbei an einer frühen 250er Export-Isetta mit den langen Scheinwerfertüten und an einem 2002 ti in Richtung Eingang zurück. Den Weg säumen noch der H2R getaufte Wasserstoffrenner, leider nach seinen Rekorden wie alle anderen Fahrzeuge auch wieder auf Hochglanz poliert, und das Art-Car 3,0 CSL IMSA von Alexander Calder, um das man schon die ganze Zeit während des Abstiegs herumgekreist ist.
Ein kurzer Abstecher neben den Shop, wo die Ahnengalerie des Dreiers steht in Form von 303 (1933) und 1600-2 neben einem weiteren E21. Danach betrat ich das Areal des alten Museums, das man auf seinen Stand von 1973 zurückgebaut hat und welches nun wechselnde Ausstellungen beherbergen soll. Die erste Sonderausstellung ist ein Sammelsurium von Prototypen, angefangen beim 531 von 1951, einem Kleinwagen im Vorkriegsdesign, weiter mit dem Bracq-Turbo, dem potthässlichen Raumkonzept Z22, dem Einser-Cabrio als Studie, dem X-Coupé und Concept Coupé Mille Miglia, nicht zu vergessen Gina Light, eine verwegene Roadsterstudie mit wilden Kanten im Kleidchen. Leider ist der M1 Hommage nicht unter den Exponaten.
Wer jetzt glaubt, ich hätte hier nur ein Exzerpt der ausgestellten Autos wiedergegeben, der irrt. Bezeichnend ist, dass der Name Programm ist, dass sich im Museum also nur BMWs finden, obwohl zur Geschichte der BMW Group schließlich auch die Marken Dixi, EMW, Glas, Mini, Rolls-Royce und Rover gehören würden. Weiterer Schwachpunkt ist meiner Meinung nach auch, dass der Wagen, der die Smart-Werdung der Marke BMW unter Daimler-Regie verhinderte, nämlich der 700, schlicht fehlt. Die Typen 326, 600, 503 – Fehlanzeige! Sonderkarossen wie ein Wendler-328 oder Aufbauten von Weinberger, Buhne, Erdmann & Rossi etc. vor dem Krieg sowie z.B. Autenrieth nach dem Krieg – nicht vorhanden. Besonders Letzteres ist sehr bedauerlich, zumal sich mit Werken dieser Couturiers sicher prima die Brücke zum Premium-Anspruch von BMW schlagen ließe.
Selbigen unterstreicht dann wieder der Catering-Bereich mit Terrasse. Und für die nötigen Devotionalien gibt’s noch einen Shop, der vor allem 1:18er Art Cars zu 120 Euro pro Stück und jede Menge Literatur rund um die BMW Group und um die diskussionswürdige Architektur der BMW Welt gegenüber anzubieten scheint. Alles in allem sind 12 Euro für das Gesehene gerade im Vergleich mit den anderen Museen der Stadt eindeutig zu viel. Damit fügt sich das Museum aber prima in die neue BMW-Premium-Erlebniswelt ein, die vor allem einem Leitspruch folgt: mehr Schein als sein.

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