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Blechgeschichten von Rick

Fahrer Rick
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Es liegt wohl in der Familie.... oder von Vater zum Sohn und der Sache mit den Genen, meine Geschichte zum BMW 2000 tii 22.05.2008

Über: BMW 2000tii

Im folgenden lasse ich Interessierte gerne daran teilhaben von meiner Geschichte mit Bezug zur Marke mit dem stilisierten Propeller im Logo zu erfahren.

Meine Vorliebe genießen die Modelle der Neuen Klasse, jener BMW-Typ welcher der eigentlich recht unbekannte Vorläufer der heutigen 5er BMW ist. Damals als überraschend frisches und anderes Konzept (im Vergleich zu anderen Mittelklasse-Automobilen seiner Zeit) gebaut, fanden die sportlichen und dennoch familientauglichen Viertürer sehr schnell die Gunst der Käufer. Der Begriff WAGEN DER NEUEN KLASSE wurde geprägt. BMW verfügte über einen Wagen, der bei allen BMW Tugenden auch hervorragende Umsatzzahlen brachte und dem Unternehmen das Überleben als eigenständige Marke sichern konnte.

Neben anderen waren es Legenden wie Hans Stuck und Hubert Hahne welche BMW´s Neue Klasse zu hervorragender Akzeptanz im Motorsport führten und den Erfolg der BMW Limousine mit "Hofmeister Knicks" begleiteten.

Hahne war es der in einem Rahmenrennen zum Großen Preis von Deutschland am 6. August 1966 mit einem BMW 2000 Ti als erster in einem Tourenwagen die Nürburgringnordschleife in weniger als 10 bzw. in 9:58,5 (oder 9:58,9) Minuten umrundete. Außerdem gewann er zusammen mit Jacky Ickx das 24-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps.

Für den sportlich ambitionierten Fahrer waren diese Fahrzeuge natürlich stetig Objekt der Begierde. Dies ging dann auch an meinem Vater damals nicht spurlos vorbei.

Meine Prägung zum Liebhaber der weiss-blauen Marke fand schon recht früh statt.

Als 5-jähriger Anfang der 70er, im Auto meines Vaters, auf der Kunstleder-Rückbank eines BMW 2000 tilux in Bristol (grau),
auf dem Weg in die Lüneburger Heide, in den Familienurlaub wurde sie wohl begründet.

Bei dieser Gelegenheit war es klar, dass in einem noch nicht komplett reglementierten Strassenverkehr der mit einer geänderten Vergaseranlage modifizierte BMW einmal richtig laufen gelassen wurde.
Ich kann mich erinnern, das ich meinen Vater nach scharfer Autobahnhatz und dem austragen zahlreicher Duelle mit seinem Freund, welcher immer potente Mercedes Limousinen vom Schlage eines Strich8er als 280 E in den gemeinsamen Urlaub bewegte, an den meistens wegen meiner, warum auch immer entstandenen Übelkeit notwendigen Zwischenstops, bei geöffneter Motorhaube mit einem eigens dafür von Ihm gebastelten Schraubenzieher in Überlänge am Vergaser fummelnd beobachtete.
Das Ganze lief dann immer unter dem gemeckere der Familie und einem bisschen Spott des Mercedesfahrers ab.

Trotzdem ließ mein Vater sich nicht beirren und schien, die wahrscheinlich gar nicht unbedingt notwendigen Einstellarbeiten zu genießen. Während der nächsten Etappe hatte der BMW die Niere jedenfalls wieder vor dem Stern, bis mir wieder schlecht wurde.

Nach diversen BMW´s, vom 2000 Tilux , E9 2800 in charmonix weis, E9 3.0 s in Fjord met. über einen 730er mit Blechnase in, ich glaube es war wohl polaris silber met. bis zum letzten BMW, einem 635 CSI A ebenfalls in silber, im Besitz meines Vaters wurde mein Wunsch einen BMW der Neuen Klasse zu besitzen dann, Anfang der 90er Jahre immer stärker.

Es sollte aber nicht irgendein Modell sein, sondern ein Einspritzer, bloß keiner mit Vergasern!

Ein BMW 2000 tii war das Objekt meiner Begierde, jener BMW welcher Anfang der 70er das darstellte was heute einem BMW M5 ausmacht. BMW´s erster, in Serie gebaute Einspritzer.

Mit einer in, für heutige Verhältnisse absolut geringen Stückzahl von nur 1952 gebauten Exemplaren in der Zeit von 1969 bis 1972 hatte ich mir ein, wie sich herausstellen sollte seltenes Fahrzeug ausgesucht.

Die Suche nach einem, für mich geeignetem Auto stellte sich mit den Jahren dann auch tatsächlich als schwieriges Unterfangen heraus.
Nicht nur das meine Vorstellung von einem, am besten ohne weiteren Aufwand fahrbaren Auto mit ordentlicher Substanz ausging, sollte dies auch noch bezahlbar sein.

Die Zeit verging und längst hatte ich realisiert und mich in die Materie um BMW´s “Neue Klasse” zu sehr vertieft als das ich nicht gewusst hätte, das gute, viertürige tii´s längst in festen Händen sind. Wenn jemand sich entschlossen hatte sich von seinem guten Stück zu trennen, war dies nur mit ziemlich heftigen Preisen oder einer Vollrestauration in Zusammenhang zu bringen.

Nach schier aussichtslosem Suchen und warten auf gute Gelegenheiten in, bis dahin immerhin schon vergangenen guten sieben Jahren hatte ich die Hoffnung, nachdem ich fast einen 1965er Neue Klasse Viertürer in Ausführung als 1800er Flacharmaturer in charmonix mit roten Polstern gekauft hätte fast aufgegeben.
Der Kauf dieses durch sein Baujahr in Bezug zu meinem Geburtsjahr für mich interessanten Autos war nur nicht zu Stande gekommen weil ich über den Kompromiss welchen der 1800er für mich zum Einspritzer darstellte einfach zu lange nachgedacht hatte und mir dann das Auto vor der Nase weggekauft worden war.

Im Nachhinein behaupte ich nun, dass es das Schicksal gut mit mir gemeint haben muss als nur ca. eine Woche nach dem geplatzten Kauf des 1800er´s, im weltweiten Netz ein, für mich passendes Auto angeboten wurde.

Gerade mal eine Stunde hatte er als Angebot eingestanden als ich ihn mehr oder weniger zufällig entdeckte und mit schlechtem Gewissen die angegebene Telefonnummer, ich Glaube es war schon deutlich nach 21:00 Uhr, noch anwählte. Am anderen Ende der Leitung meldete sich eine Frau und gab den Hörer direkt an Ihren Mann weiter. Ein Steuerberater mit noch einem weiteren BMW-Klassiker im Besitz hatte sich entschlossen sich von einem seiner Fahrzeuge, einem BMW 2000 tii zu trennen.

Ein langes Telefonat fand statt bei dem wir uns wirklich nett unterhielten und mir einerseits vom tii erzählt wurde und ich zum anderen meine “Vorbelastung” erläuterte.
Mir wurde zugesagt, das ein Verkauf bis zum Besichtigungs- und Probefahrt-Termin, welcher aufgrund meiner persönlichen Auslastung erst nach Ablauf von 2 Tagen stattfinden konnte nicht erfolgen würde und mir wurde ein Vorkaufsrecht zugesagt.

Beim meinerseits herbeigesehnten Termin stellte sich heraus, dass wohl eine Art von Telefonterror entstanden war und der Verkäufer meinte, das bei den vielen Interessenten er das Auto wohl auch ein gutes Stück teurer hätte anbieten könnte.
Er verhielt sich mir gegenüber aber absolut fair und hielt seinen Preis ohne einen Aufschlag oder gar einen Rückzieher. Eine Verhandlungsbasis gab es für mich allerdings nicht mehr. Egal! Nachdem ich eine Runde gefahren war, gab es für mich nichts mehr zu überlegen, ich besaß ab diesem Moment meinen tii.

Mit meinem Fahrzeug erhielt ich eine zwar nicht lückenlose, aber ab 1987 nachvollziehbare Historie. Eine Fotodokumentation belegte, dass der tii zum genannten Jahr ziemlich fertig und verbraucht war. Die mir freundlicherweise überlassenen Bilder dokumentierten umfangreiche Karrosseriearbeiten. Diese Arbeiten haben, natürlich mit diversen und auch eigentlich immer noch andauernden kleineren (und auch grösseren :-) ) Instand- und Verbesserungsarbeiten meinerseits, immerhin bis heute gehalten.

Natürlich war der Zustand des Viertürers beim Kauf nicht so wie er heute ist, es gibt eine 10 DIN-A4-Seiten lange Liste über Arbeiten welche ich im Laufe der Jahre ausführte bzw. ausführen ließ und Teile die ausgetauscht und, oder aufgearbeitet werden mussten.
Dies hier aufzulisten würde vermutlich viele daran hindern weiterzulesen.

Als grundlegende Arbeiten sollen hier aber z. B. genannt werden, Fahrwerksüberholung, Bremsenerneuerung, umfangreiche Instandsetzungs- und Erneuerungsarbeiten am gesamten Antriebsstrang von Kupplung über Getriebe, Kardanwelle, Differential und Abtriebswellen, mittlerweile Überholung vom größten Teil der Technik, Aufarbeitung des Lacks mit Ausführung von Teil- und Beilackierungen vom Profi über mittlerweile einer kompletten Motorrevidierung einschl. Optimierung zahlreicher Details bis zur Erneuerung des Gestühls in Echtleder usw..

Bei diversen Problemen die sich mir stellten waren die Mitglieder des BMW 02 Clubs mir gegenüber immer sehr hilfreich und verblüfften mich häufig in Bezug auf ein beeindruckend funktionierendes Netzwerk von, im positiven BMW-Verrückten.

Es ist für mich immer noch faszinierend wenn ich darüber nachdenke wie viele nette Menschen ich durch mein Hobby kennengerlernt habe, welche tollen Kontakte bisher geknüpft wurden und das für mich wertvolle Freundschaften entstanden sind. Nebenbei habe ich eine ganze Menge gelernt.

Das Ergebnis der Arbeit von Vorbesitzern und mir ist für mich ein Fahrzeug welches sicherlich und gewollter Maßen kein perfektes Vorzeigemodell und Museumsauto, aber um so mehr absolut alltagstauglich ist, sehr zuverlässig funktioniert und mir mit seinem Flair immer wieder schöne Erlebnisse beschert.

Zu meinem Stolz hat der Zustand meines Viertürer´s in 2007 immerhin dazu gereicht, bei den Fahrzeugen der BMW Club´s auf der Techno -Classica ausgestellt zu werden.

Für mich hat ein "richtiger" BMW nun mal vier Türen!

Mit diesem (nicht ganz ernst gemeinten) Spruch ist man bei so manchem Treffen unter Freunden dann ganz schnell im Gespräch um Benzin und das gemeinsame Hobby.

Es gibt Situationen wo einem freundlich zugewunken wird, wo man bei Ampelstops Leute beobachten kann wie sie mit ihren Begleitern anfangen über vergangenes zu reden.
Für mich gibt alleine schon die Vorstellung bzw. Vermutung von den Erinnerungen solcher Leute ein kleines Glücksgefühl her.

Als Mitglied im Dürener Motorsport Club, einem der ältesten Vereine mit motorsportlichem Hintergrund in NRW und ebenso im BMW 02-Club boten und bieten sich zahlreiche Möglichkeiten meinem BMW den notwendigen Auslauf unter Artgenossen zukommen zu lassen.

Die Teilnahme an diversen Veranstaltungen mit dem tii verhalf meiner Frau als "spitzen" Copilot und mir zu manchem Podiumsplatz und guten Platzierungen innerhalb der Clubmeisterschaften.

Da für mich immer im Vordergrund stand als Ergebnis meiner Arbeiten kein Museumsstück auf die Beine zu stellen, sondern ein zum “artgerechten Gebrauch” nutzbares Auto, war und ist, so empfinde ich es zumindest, diese Aufgabe fast schwerer zu erfüllen als eine reine Restauration mit anschließender Verwahrung.
Dies gilt um so mehr wenn sich denn Fahrer und Auto auch nicht zu schade für die eine oder andere zügige Runde auf der Nordschleife des Nürburgrings sind.
Manch einer mag es Frevel nennen, aber für einen wie mich ist es einfach zu schön immer wieder die verblüfften Blicke von Fahrern mit Autos neuerer Generationen zu erleben.

Seine Standfestigkeit und Einsatztauglichkeit hat er mir dann auch in vergangenen Jahren, hier zum Beispiel bei der erfolgreichen Teilnahme an der Bavaria-Tour 2006 mit immerhin über 2500 gefahrenen Kilometern einschl. An-, Ab- und Weiterreise auf eigener Achse , für meine Frau und mich wieder eindrucksvoll bewiesen.

Als Steckbrief kann ich, für Interessierte folgendes auflisten:

Typ: BMW 2000 tii aus 1971

Stückzahl Gesamt: 1952 Stk. von 1969 bis 1972

Bestand laut KBA: 16 Stk. im Jahr 2006

Farbe: Malaga (original Farbton)

Ausstattung ab Werk: Hirschmann-Antenne mit Radio Becker
Europa,Stahlschiebedach, tii-Ausstattung
mit Holzkranz-Lenkrad sowie Holz-
Einlagen im Armaturenbrett und Tür-
Verkleidungen sowie Holzschaltknauf,
Kunstlederausstattung mit ab Werk tiefer
konturiertem Fahrersitz, Viergang-Schalt-
getriebe, Stahlfelgen mit 175/70er
Bereifung und verchromten Radkappen

Motorisierung: BMW M10 Vierzylinder, 1990 ccm,
130 PS, Kugelfischer Einspritzung,
Topspeed aktuell ca. 190 km/h
(oder vielleicht auch ein bisschen mehr)

techn. Veränderung: Motor komplett revidiert und vom Profi
;-) optimiert, Zylinderkopf gesäubert /
optimiert, Schwungscheibe abgedreht,
Umbau auf Elektrolüfter,
Zündung optimiert und Zündkabel-
baum erneuert, Getriebe überholt,
Differential und Abtriebswellen erneuert,
Auspuff Alpina/Gillet mit
Fächerkrümmer, Bilsteinfahrwerk mit
Vorspannringen an den Stabis, in Hand-
arbeit hergestellt und angepasster
Domstrebe, Bremsanlage komplett
erneuert mit Stahlflexleitungen, Radsatz
Bestehend aus komplett restaurierten
TISA-Felgen mit 185/70er Bereifung,
Zusatz-Nebel- und Fernscheinwerfer,
Automatik Gurte im Fond

Extras: Komplettlederausstattung, Sonnenschute
am Schiebedach, verdeckt eingebaute
Radio- Kassettenkombi, org. Fußmatten-
satz geflochten, Kofferaumauskleidung,
diverse Verchromungen im Motorraum,
Stoppuhren-Kombination für den
Beifahrer und viele weitere kleine
Ausstattungs- und Zubehörteile

Die Stunden welche in mein Auto geflossen sind kann ich mittlerweile nicht mehr zählen und zu machen gibt es eigentlich immer irgend etwas, aber abgeben möchte ich (und mittlerweile auch meine Frau) ihn trotz kleinerer Problemchen, Arbeit, Schweiß- und auch Blutstropfen bestimmt nicht mehr.

An dieser Stelle möchte ich mich noch bei Allen bedanken die mir geholfen und mich unterstützt haben!

am 01.06.2008

Diskussionen


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Stempsy
Stempsy 18.07.2009

Hallo Richard

Ich glaub ich hab´s mir jetzt schon zum x-ten mal durchgelesen.Immer wieder schön.

Die 10 Seiten DIN-A4 "To-Do-Liste" kannst mir ja mal schicken wenn du magst.Meine E-mail hast ja.

schönes Wochenende

Beste 4-türige (derzeit aber nicht im süden sich befindende) Grüße

mfg

stefan

schumacher
schumacher 03.06.2008

Ein wahrer BMW Infizierter. Schöne Geschichte.

Habe gerade mal nachgerechnet, dass ich auch schon

insgesamt 8 BMW´s besessen habe. Mein absoluter Liebling war mein E 9 Coupe in fjordblaumettallic. Den hatte ich von 1982-1991. Er hatte leider massive Rostprobleme und ich hatte damals keine Energie mehr ihn nochmals herzurichten, nachdem ich Ihn erst 1984 umfangreich saniert und neu habe lackieren lassen.

Heute bereue ich es ein bisschen.

ciao

schumacher

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