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Es begann damit, dass meine Frau, wann immer wir auf einem Oldtimer-Markt oder ähnlichen Veranstaltungen waren, begann, sich über diesen Wagen zu äußern. Fortan hörte ich dann immer etwas wie „guck mal, der ist aber süß“, „ dahinten müssen wir noch mal gucken, da steht noch ein Fiat“, „irgendwann will ich auch mal so einen kleinen Fiat haben, ok?“, „machste mal ein Bild von mir und dem Auto ?“ . Zunächst hab ich nicht weiter drüber nachgedacht, mit der Zeit bildete ich mir aber ein, dass ja evtl. genau in diesem Automobil die Schnittstelle zwischen Frau und Hobby zu finden wäre (welch naive Illusion !). Ich begann also ganz nebenbei ein Auge auf die Kleinsten aus dem Hause Fiat zu werfen – und musste schnell feststellen, dass man zu dem Preis eines Restaurierungsobjektes alternativ auch einen hervorragenden DAF 55 bzw. 66 im Zustand 2 erwerben konnte. Was der Sache freilich einen herben Dämpfer verabreichte, und mich daran zweifeln ließ, ob man überhaupt weiter nach solch einer Knallerbse gucken sollte. Aber wie das halt so ist, wenn man einmal anfängt sich mit etwas zu beschäftigen, lässt einen das Thema nicht mehr in Ruhe. Inzwischen war ich über die einzelnen Modelle und Varianten ganz gut informiert, hab die ein oder andere Kaufberatung verschlungen und mich in den hervorragend gestalteten Sektionen des World Wide Web, welche sich mit dem Fiat 500 beschäftigen verlaufen. So dämmerte mir denn auch allmählich, das ich meine Vorurteile gegenüber dem Wägelchen ein wenig neu zu ordnen hatte. Offenbar ist es mit der Zuverlässigkeit dieser Spezies nicht allzu weit her, und die Teile gibt’s augenscheinlich nur deshalb so billig, weil man auch ständig irgendwas braucht, und das dann noch nicht mal lange hält – oder wie anders sollte man sich erklären, dass man in wenigstens einem der vielen Online-Shops Zündkondensatoren im 10er Pack kaufen kann ?
Je länger ich mich mit der Materie beschäftigte, um so heftiger wurden meine Zweifel. Ich dachte darüber nach, ob man solch eine Zeit/Geld- und Platzvernichtungsmaschine überhaupt braucht.
Jedoch war es zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon zu spät einen Rückzieher zu machen. Im Fiat 500 Forum kannte man mich inzwischen, und ein Angebot ließ nicht lange auf sich warten. So wurde mir von einem 500er Freund ein 73´er Fiat 500 R angeboten. Generell sei der Wagen in gutem Zustand, die Karosse ist gemacht, aber laienhaft lackiert und bedarf keiner Arbeit. Dafür hat die Mechanik ein paar Macken (Schaltgestänge ausgeleiert, Motorölverlust etc...). Alles in allem ein passendes Angebot für mich, Karosseriearbeiten liegen mir gar nicht, dafür machen mir Mechanik-Arbeiten umso mehr Spaß. Der geforderte Preis war zwar in Relation ok, gesehen mit den Augen eines DAF-Enthusiasten allerdings immer noch absoluter Wucher – und so zögerte ich zunächst, und beobachtete weiterhin das Angebot im Internet. Gerade im ebay tauchen laufend 500er in fragwürdigem Zustand auf. Ich begann, ein paar Tage nach Ende der Auktionen, die Ersteigerer zu kontaktieren, um zu horchen, wie sie mit ihrem blind gekauften Fiat zufrieden waren. Kurzum : die Hälfte der Leute hatte den Wagen stehen gelassen, wiederum eine Hälfte der Leute der anderen Hälfte nahm den Wagen „trotzdem“ mit, und etwa ein viertel der Leute war mehr oder weniger zufrieden mit dem neuen Wägelchen. Um diese Erkenntnis reicher, schied dieses Angebotsformat für mich völlig aus.
In dieser Zeit tauchte bei mobile.de ein 500er in leuchtendem 70er Jahre-Telefon-Orange auf. Angemeldet, fahrbereit und mit einem Rostloch im Radhaus, auch der Preis war ok. Der musste es sein, und so haben wir flugs einen Termin mit dem Verkäufer in Süddeutschland vereinbart, um uns den Kleinen anzusehen. Die Ernüchterung folgte stehenden Fußes ! Was von weitem noch passabel aussah, entpuppte sich bei näherer Betrachtung als unrestaurierbar verrottete Hütte. Der Unterboden war komplett mürbe und bestand aus Briefmarken, Blätterteig und Löchern. Nein, sowas wollte ich nun wirklich nicht haben, auf restaurieren hatte ich keine Lust, dieser Wagen sollte ohne großen Aufwand laufen. Dennoch sind wir natürlich eine Runde mit dem Ding gefahren, um festzustellen, dass alles klappert, die Gänge sich nur widerwillig einlegen lassen, und die Lenkung sauschwer geht. Der Verkäufer störte sich nicht wirklich daran, dass wir den Wagen stehen gelassen haben, schließlich erwartete er an diesem Tag noch 5 weitere Interessenten, und dem Vernehmen nach hat der Kleine wohl auch den Besitzer gewechselt.
Auf der Rückfahrt fiel mir ein, dass ich die Telefonnummer des Verkäufers des 500 R aus dem Forum dabei hatte, und auf der Stecke lag der Standort auch noch. Was lag also näher, als sich dort zum Kaffee einzuladen ? Der Verkäufer sah das genau so, und kurze Zeit später standen wir vor einem schwarz lackiertem Fiat 500. Auf Anhieb machte der Wagen einen guten, wenn auch bei weitem nicht perfekten Eindruck. Die Karosse präsentierte sich weitestgehend ohne Rost, und die Mechanik schien machbar. Der Verkäufer (alter 500er Guru) hat uns dann auch sehr gefühlvoll in das Wesen eines Fiat 500 eingeweiht. „Seid ihr eigentlich wahnsinnig so ein Ding kaufen zu wollen ?“, „Fahrt bloß nie mit einem 500er, wenn ihr einen Termin habt !“, „Du weißt ja, dass die Dinger ständig kaputt gehen, und man immer was zu tun hat damit ?“ „Hier sind 10 Adressen, wo man Ersatzteile bekommt“, „Was glaubt ihr denn, warum die Teile so billig sind ? Glaubst du, ein Radbremszylinder für 4,50 Euro taugt was ?“, „ Die Zündkondensatoren gibts auch im 10er Pack, ist billiger, die gehen eh immer kaputt“, „Es gibt eine Fiat 500 Pannenhelfer Aktion, guck mal im Internet, nahezu alle Autobahnen sind abgesichert“, „Mit dem Fiat, den ihr kaufen wollt, will ich seit 2 Jahren zum Tüv fahren, aber jedes mal ist was dazwischen gekommen. Beim ersten mal ist er liegen geblieben, weil ... beim zweiten Versuch ging ... kaputt ... ,dann fiel mal auf dem Weg zum Tüv ein Rad ab, weil der Achsschenkel kaputt ging, dafür ist jetzt aber ein neuer drin ! Dann hab ich´s mal bis zum Tüv geschafft, und als ich in die Halle fahren sollte, sprang er nicht mehr an“ usw ... Außerdem erzählte er uns, wie oft und mit welchen Defekten seine Frau in letzter Zeit mit einem 500er liegen geblieben war.
Jeder normale und halbwegs vernünftig denkende Mensch hätte sich spätestens jetzt herzlichst für den Kaffee bedankt und die Rückfahrt angetreten, und das Thema ein für alle mal auch aus der letzten Hirnwindung gedrängt. Das totale Gegenteil war aber der Fall ! Ich dachte mir : „Jetzt erst recht ! Kann doch nicht sein, dass solch ein durch Kulleraugen freundlich in die Welt blickendes Automobil so einen Zwergenaufstand macht !“ Und so gingen wir mit hinauf, um noch einen Kaffee zu trinken, und ließen die Eindrücke auf uns wirken. Zwei Wochen später trafen wir uns wieder, um den Deal perfekt zu machen, und mit unserer Neuerwerbung nach Haus zu fahren ! Das war zunächst nicht ganz so einfach, er sprang jetzt nicht mehr an. Und so hat der Verkäufer dann zusammen mit uns den Vergaser zerlegt, an der Zündung rumgetüddelt und irgendwann lief das Ding tatsächlich ! Unglücklicherweise ist bei der Reparatur irgendwie der Starterzug – doch, der 500er hat keinen Magnetschalter am Anlasser, im Mitteltunnel ist ein Hebel, welcher über einen Bowdenzug mit dem Anlasser verbunden ist, dran gezogen spurt der Anlasser ein und legt los – an den nur eine Handbreit entfernt liegenden Plus-Anschluss vom Anlasser gekommen und in Rauch aufgegangen. Allmählich wurde es dann auch Zeit für uns –schließlich war ja in keinster Weise zu erahnen, was uns die Rückfahrt bescheren würde, immerhin lag eine 250km Autobahnetappe vor uns- , und wir ließen einen freundlich in die Welt blickenden, zufriedenen und ausgeglichenen Geschäftspartner zurück, welcher mir kurz zuvor noch mit einem Augenzwinkern ein komplettes Reparaturhandbuch auf CD in die Hand drückte.
Nun saß ich also in meinem DAF 66 Marathon und fuhr hinter diesem lustigem kleinen und Radau produzierendem Etwas her. In dem Moment dachte ich an meine Geldbörse und spekulierte über die Anzahl der DAF´s, welche statt dessen nun auch hätten vor mir her fahren können ...... abrupt wurde ich aus meinem schönen Tagtraum gerissen. Was war passiert ? Ich hielt vor einer Ampel, vor mir ein Fiat 500 der –obgleich die Grünphase sich unaufhaltsam dem Ende nahte- aus war, und auch keinerlei Anstalten machte, diesen Zustand kurzfristig zu ändern. Eine aufgeregt gestikulierende junge Frau lehnte sich weit aus dem Fenster .... ach ja .... das gehört ja alles zu mir. Natürlich, der Starterzug, und zwei Sekunden später stand ich neben dem sich lustig schüttelndem Zweizylinder Reihenmotor und verstand den Witz „einen echten Fiat 500 Fahrer erkennt man am verbranntem Unterarm“, welchen ich nicht all zu lange Zeit zuvor gehört hab, als dieser ominöse Starterzug sein Leben aushauchte. Die Zeichen standen nicht wirklich gut und die Dämmerung setzte ein, als wir auf die Autobahn einbogen. Mir fiel ein Stein vom Herzen, ging ich doch davon aus, nun eine ruhige Zeit in meinem bequemen und bei max. 80 km/h äußerst ruhig und sparsam laufendem holländischem Riementier zu verbringen. Es herrschte mäßiger Verkehr, das Wetter war unbeständig, zeitweise fielen ein paar Tropfen Regen vom Himmel, und ich hoffte, dass es nicht mehr würden, schließlich taugten die Wischer des Fiat wirklich nicht mehr. Man merkte, dass meine Holde so ihre liebe Mühe hatte, den Kleinen am Laufen zu halten. Immer wieder verschluckte, hustete und schüttelte sich alles bedenklich. Das inzwischen komplett ausgeschlagene Schaltgestänge tat ein übriges, und immer wieder wurde die Fuhre schlagartig langsamer und heulte furchtbar auf. Ich biß die Zähne zusammen und drehte das Radio ein wenig lauter. Inzwischen war es dunkel und am regnen. Nur langsam kamen wir vorwärts und ich fing an zu rechnen in welchem Verhältnis Reisegeschwindigkeit, Wegstrecke und Uhrzeit zueinander standen. Es sah nicht gut aus, und plötzlich bog der Fiat auf einen dunklen, kleinen und verlassenen Autobahnparkplatz ein. Nicole war ziemlich genervt, nix war mehr zu hören vom knuddeligen süßen und knuffigen kleinen Auto. Nein, ganz im Gegenteil. Die Umstände förderten einen historischen Moment herbei, der bis heute nicht wieder erreicht wurde. Nicole fragte mich allen Ernstes : „ Kann ich mit dem DAF weiterfahren, du kommst bestimmt besser mit dem Fiat klar ?!“ Ich winkte ab, hatte keine Lust auf dieses Gerappel und Getöse, erst recht nicht auf solch mickrige und abgenudelte Sitzgelegenheiten. Außerdem, dachte ich mir, wer A sagt, muss auch B sagen, und wie könnte sie „Ihr“ neues Spielzeug besser kennenlernen, als auf dieser Tour. Zwar sind wir bis hierher ohne nennenswerte Zwischenfälle gekommen, aber viel lieber stieg ich in den DAF ein, und wir fuhren weiter. Jedoch ließ der nächste Halt nicht lange auf sich warten : Der Fiat zappelte und heulte wieder mal scheußlich, als er daraufhin auf dem Standstreifen ausrollte. Zwar war es vorher schon mehrmals passiert, dass die Dirigentin versehentlich den zweiten anstatt des vierten Gangs (auf der Autobahn wohlgemerkt) erwischte, aber diesmal schien die Situation ernster. Gespannt was nun passiert war (und im weiteren Verlauf des Abends passieren würde), stieg ich aus und wunderte mich um so mehr, dass der Wagen noch lief. Nicole war für heute fertig mit dem Wagen - wollte keinen Meter weiter fahren. Es war Sabbat. So blieb mir nichts anderes übrig, als mich zu opfern und der Mistkarre zu zeigen, wo es lang gehen sollte. Die Nacht wurde länger, es wurde kälter, der Regen nahm zu. Die Scheibenwischer tanzten lustig mit den Regentropfen um die Wette. Ich wollte nach Hause und gab Gas. Im Heck brüllte der Twin, 100 km/h waren tatsächlich drin. Irgendwie haben wir es geschaft die Autobahn zu meistern, nun erwarteten uns viele Kilometer typischer Sauerländer Landstraße. Es war spät inzwischen, da jeder Schaltvorgang an die Nadel im Heuhaufen erinnerte, und der Motorlauf dem oft zitiertem Sack Nüsse in nichts nachstand. Wir flogen nur so über die Landstraßen. Zumindest fühlte es sich für mich so an, doch die Lichter im Rückspiegel sprachen eine andere Sprache, sie wurden einfach nicht kleiner, nein, sie drängten geradezu.
Endlich war es geschafft, eingelocht, die Knutschkugel kullerte in die Garage und verbrachte die erste Nacht in von nun an heimischen Gefilden. Eines war klar, die Anfangs eingeplanten „paar Handgriffe“, um das Ding zuverlässig zu machen (wenn es denn überhaupt möglich sei), würden wohl kaum ausreichen. Ich hab gut geschlafen in dieser Nacht, tief und fest. Geträumt habe ich von einem neuen Morgen, einem Morgen ohne böses Erwachen. Das Öffnen der Garage im Morgentau brachte nichts als Ernüchterung. Knatterkarl begrüßte mich mit einer ordentlichen Portion Öl auf dem Boden.






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